Wer eine Nachlese der parlamentarischen Sommerpause betreiben will, wird dabei immer wieder der Reiselust unserer Abgeordneten gewahr – im Sommer nämlich treibt es die Volksvertreter in besonders großer Zahl in besonders ferne Länder.

Da, wen wundert’s, alle diese Reisen einem unerfindlichen öffentlichen Interesse dienen, zahlen dafür die Wähler und Steuerzahler. Denn die Abgeordneten bedienen sich entweder eines der Disposition des Bundestags-Präsidiums unterstellten Fonds, oder aber sie reisen auf Kosten ihrer Fraktion – die Herkunft dieser Mittel ist jedoch immer die gleiche.

Was hat etwa den CSU-Wohnungsbauexperten Oskar Schneider in die Volksrepublik China getrieben – suchte er dort den Gedankenaustausch über die Förderung des Bausparens und über die Sanierung der Altbauten, in Köln-Nippes?

Und was hat den Energieexperten Karl-Heinz Narjes (CDU) bewogen, sich Schneider anzuschließen – suchte er neue Erkenntnisse im Streit für oder gegen ein Tempolimit?

Und Walter Althammer (CSU), der gleichfalls mit von der Partie war: Als Haushaltsexperte wird er sich wohl auf der Chinesischen Mauer ein ruhiges Plätzchen gesucht haben, um über den neuen Nachtragshaushalt des Bundestages nachzudenken.

Der Polittourismus kennt keine Partei- und Fraktionsgrenzen. Den FDP-Nachwuchs-Außenpolitiker Jürgen Möllemann, der sich so überaus kompetent in die verwickelte Nahost-Politik eingeschaltet hat, hat der Reiz dieses Tourismus ebenso ergriffen wie die Sozialdemokraten Manfred Coppik und Norbert Gansel, die vor einiger Zeit eine denkwürdige Reise in den Iran unternommen haben.

Gerügt hat den Widersinn vieler Abgeordneten-Reisen bislang niemand. Kein Wort vom Bundesrechnungshof, keine Kritik aus dem Haushaltsausschuß des Bundestages, und auch nichts Abfälliges aus dem Plenum.