Die IRA ist wieder im (blutigen) Geschäft. An zwei Tagen dieser Woche zwanzig Tote, meist britische Soldaten, durch ferngesteuerte Minen getötet – ein Verfahren, das schon den Wagen des Londoner Botschafters in Dublin vor Jahresfrist zerstörte und nun auch die Yacht Lord Mountbattens zerfetzte. Die Untergrundarmee erweist sich als besser ausgerüstet denn je zuvor, hat aber Gründe, eine direkte Konfrontation mit britischen Einheiten zu scheuen.

Das ist eine neue Phase des Kampfes. Der wahllose Terror der frühen siebziger Jahre läßt sich nicht wiederholen, auch die katholischen Nordiren sind ihn leid. Die IRA befürchtet zudem Friedensinitiativen: des Papstes, der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten bei ihrer üblichen Jagd auf die Stimmen der Irischstämmigen, und vielleicht auch der neuen Londoner Regierung. Die möchte Ballast loswerden – die Rhodesien-Verantwortung, ein schlechtes Image in Europa und, wenn möglich, die Bürde in Ulster. Wo aber Frieden „droht“, sorgt der alte Haß erst einmal für Angst und Schrecken.

Daß das englische Königshaus vor Attentaten sicher sei, hat sich nun als grausiger Irrtum erwiesen. Mountbatten war allerdings mehr als ein Ex-Admiral, Vetter des Vaters der Queen und Onkel ihres Mannes. Das heutige britische Verteidigungsministerium als einheitliche Behörde ist sein Werk. Wer für die Briten beste militärische Tradition darstellte und kluge, persönlich ehrgeizlose Zusammenarbeit mit der Politik, der mußte für die IRA ein Opfer von geradezu perverser Eignung sein. Der hochgemute Leichtsinn dieses alten Soldaten, der keine massive Bewachung wollte, und die Feigheit der Fernzünder kamen zusammen.

Deren hermetisches Abriegeln wird nun die erste Londoner Sorge sein. Die dafür unentbehrliche Mithilfe der bislang lasch zuschauenden Republik in Dublin wird und muß die britische Regierung mit allem Nachdruck betreiben.

Ist das aber nicht auch ein europäisches Problem? Im November tagen die Regierungschefs der EG in Dublin. Sie können wohl kaum nur über Ölkummer und die Dritte Welt reden.

K.-H. W.