Thomas Bernhard

4694 Ohlsdorf

Oberösterreich Werte Herren,

meiner Person und genauer gesagt meinem empfindlichen Kopf ist es diesmal unmöglich. Ihnen nicht zuletzt in Ergänzung Ihrer Reiseberichte mein Reiseerlebnis vorzuenthalten, ich fühle ganz einfach die Pflicht, den folgenden Sachverhalt mitzuteilen. Diese Naturgeschichte, werte Herren, kann ich Ihnen nicht ersparen! In aller Höflichkeit und Bescheidenheit und naturgemäß auch Betroffenheit möchte ich Sie bitten und hoffe ich, daß es möglich ist, in Ihrer Zeitung (in welcher sonst?) den Tatbestand, um den es hier geht und der nicht ohne eine gewisse Pikanterie ist, zu veröffentlichen: diese mit dem höchstmöglichen Fanatismus zu Wahrheit und Klarheit wie auch mit aller nur zu Gebote stehenden Vorsicht und Rücksicht festzuhaltenden und festgehaltenen Ereignisse und Geschehnisse rund um meine

Einkehr in einem Pinzgauer Dorfgasthof

Nachdem ich Mitte April auf Einladung der österreichischen Gesellschaft für Literatur in S. oben tatsächlich eine meine Arbeit betreffende Vorlesung gehalten und mit den aus mehreren Ländern eingeladenen Teilnehmern diskutiert habe, zeigte sich während der Vorbereitungen zum anschließenden und abschließenden gemeinsamen Abendessen im sogenannten Gastsaal des einzigen größeren S.schen Gasthofes wieder einmal, in wie kurzer Zeit eine in diesem Falle herbeigeführte, alles in allem gelungene und an und für sich nützliche Stimmung und Gesellschaft plötzlich zu einer verdüsterten werden kann.