Von Gabriele Venzky

An Entschiedenheit hat es Indira Gandhi noch nie gemangelt. Weder 1965, als sie den Bossen der indischen Kongreß-Partei unmißverständlich klarmachte, daß sie keine manipulierbare Frau zur Premierministerin gemacht hatten; noch zehn Jahre später, als sie sich eine maßgeschneiderte Verfassung verpaßte und kurzerhand die Demokratie einengte, um sich und ihren Clan an der Macht zu halten.

Auch der unerwartete Sturz im Frühjahr 1977 hat die zielstrebige Entschlossenheit Indira Gandhis nicht zügeln können. In ihrem kargen Eßzimmer im Hause Nummer 12, Willingdon Crescent zu Neu-Delhi erklärte sie zwar noch im vergangenen Jahr über Tee und trockenem Kuchen kategorisch: „Eines ist sicher: Ich möchte nicht mehr Premierminister werden. Ich glaube, das ist eine Phase, die vorbei ist; ich möchte sie nicht noch einmal wiederholen. Allerdings“ – und damals schon öffnete sie sich die Hintertür – „wenn mich die Leute rufen, wenn hier alles schiefgeht, dann kann ich nicht einfach still sitzen bleiben.“

Mittlerweile ist vieles schief gegangen in Indien, und viele Stimmen rufen wieder nach der Frau, die noch vor kurzem als Diktatorin verfemt war. In der vergangenen Woche nahm sie deshalb das Thema abermals auf: „Ich mache mir viel zu große Sorgen um mein Land, als daß ich mich zurücklehnen könnte um zuzuschauen, wie hier alles kaputtgeht.“

Indira Gandhi, darüber kann es keinen Zweifel geben, steht vor einem großen Comeback. Mitte vergangener Woche hat Indiens Staatspräsident Reddy das Parlament aufgelöst und vorzeitige Neuwahlen für die Zeit nach dem Monsun, für Ende November/Anfang Dezember ausgeschrieben. Daß die im März 1977 so vernichtend geschlagene Nehru-Tochter dann die absolute Mehrheit gewinnen wird, scheint unwahrscheinlich. Aber selbst ihre Gegner befürchten, daß sie die Anzahl ihrer Parlamentssitze von jetzt 74 zumindest verdoppeln, wenn nicht verdreifachen wird.

Das aber bedeutet, daß Indira Gandhi abermals eine Schlüsselrolle in der indischen Politik zufallen wird. Ohne ihre Zustimmung kann niemand mehr Ministerpräsident werden, vielleicht nicht einmal Minister. Und von ihr wird es abhängen, wie lange jemand im Amt bleiben, welche Politik er verfolgen kann.

„Bring back Mrs. Gandhi and save the country“, ist der griffige Slogan, den ihre Strategen für den Wahlkampf ausgegeben haben. Eine eingängigere Parole werden ihre Gegner schwerlich finden, vor allem keine glaubhaftere. Schließlich haben sie sich selber um jeden Kredit gebracht. Mit einem ungeheuren Vertrauensvorschuß war die Janata-Partei 1977 an die Macht gekommen, ein Konglomerat von Parteien unterschiedlicher Richtungen, die sich allerdings nur in einem einig waren: in ihrer Feindschaft gegenüber Indira Gandhi und deren undemokratische Praktiken. Diese – negative – Ausgangslage barg bereits den Keim für das spätere Scheitern von Janata.