Am 30. Juni 1979 hatten die deutschen Aktienfonds nur rund 75 Prozent der ihnen anvertrauten Gelder auch tatsächlich in Aktien angelegt. Rund 2,8 Milliarden Mark hielten die Fonds zu diesem Zeitpunkt als Liquiditätsreserve. Deutlicher läßt sich das Mißtrauen gegenüber der Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt schwerlich zum Ausdruck bringen.

Für alle Wertpapieranleger stellt sich zur Zeit folgende Frage: Läßt sich am Aktienmarkt in den nächsten zwölf Monaten mehr erreichen als mit der heute gültigen Rendite am Rentenmarkt, die im zehnjährigen Bereich wieder bei 7,70 Prozent angelangt ist? Beim Bundesschatzbrief Typ B (sieben Jahre Laufzeit) lassen sich sogar 7,84 Prozent erzielen.

Das sind Sätze, die sich bei den Aktien nur in Ausnahmefällen kassieren lassen, wobei dann noch die Frage offen bleibt, ob diese Renditen nachhaltig erzielbar sind oder ob nicht schon bald wieder Dividendensenkungen befürchtet werden müssen.

Es spitzt sich also alles auf das Problem der künftigen Kursentwicklung zu. Nur wenn in den nächsten zwölf Monaten Kursgewinne von zehn Prozent und mehr erwartet werden können, ist eine Anlage in Aktien zu verantworten.

Aus heutiger Sicht wäre ein genereller Anstieg der deutschen Aktienkurse in diesem Ausmaß nur vorstellbar, wenn entweder die Bundesbank die Liquiditätszügel wieder schleifen läßt, also für sinkende Zinsen sorgt, oder wenn Ausländer massiert als Käufer deutscher Aktien auftreten. Daß in diesem Jahr die Gewinne der meisten Unternehmen steigen werden, ist zwar ein wichtiger Tendenzfaktor. Seine Wirkung sollte jedoch nicht überschätzt werden, denn die Anlageexperten haben heute bereits das Jahr 1980 im Visier.

Da sich die Konjunkturexperten überwiegend einig in der Auffassung sind, wie jetzt das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt in einem Exposé feststellt, daß sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr verlangsamen wird, kann man nur noch über das Ausmaß des für 1980 zu erwartenden Rückgangs der Gewinne spekulieren. Dies aber wohl auch erst dann mit einiger Zuverlässigkeit, sobald die neuen Tarifforderungen der Gewerkschaften auf dem Tisch liegen.

Das Anlageverhalten der Ausländer ist praktisch überhaupt nicht vorausschätzbar. Wir müssen aber wohl davon ausgehen, meine verehrten Leser, daß die Mark als ständig aufwertungsverdächtige Anlagewährung ihren Reiz weitgehend eingebüßt hat. Im Augenblick genießen die Dollaranlagen – nicht zuletzt wegen der hohen Zinsen in den USA – Vorrang. Für die langfristige Bewertung der Mark könnte die Prognose des Ifo-Instituts an Bedeutung gewinnen, die davon ausgeht, daß 1980 die deutsche Leistungsbilanz erstmals seit 15 Jahren mit einem Fehlbetrag schließen wird.