Von Dieter Piel

Die wichtigsten Krankenkassen vermeiden einen alarmierenden Anstieg ihrer Ausgaben. Doch auch ein neues „Kostendämpfungs“-Gesetz würde so wenig helfen wie das alte von vor zwei Jahren, wenn es nicht die eigentliche Ursache der Kosteninflation bekämpft.

Das Feldgeschrei ist längst verklungen, aber es ist noch nicht aus dem Gedächtnis. Als sich, vor gut zwei Jahren, die Bundesregierung daran machte, eines Phänomens Herr zu werden, das man die Kostenexplosion im Gesundheitswesen nannte, lamentierten viele der Betroffenen, daß es einem ans Herz gehen konnte. Ein großer Teil der Ärzte sah den leibhaftigen Sozialismus über sich hereinbrechen und agitierte gegen die Bonner Gesetzespläne selbst noch in den Wartezimmern.

Ähnlich laut jammerten auch die Apotheker und die pharmazeutische Industrie. Die einen malten das Schreckgespenst einer „Primitiv-Medizin“ an die Wand und sahen das Ende der „Freiheit“ für die Ärzte (oder Apotheker oder Pharmahersteller) gekommen; die anderen aber, die Gesetzesmacher, glaubten, die Kostenexplosion gestoppt zu haben.

In diesen Wochen und Monaten aber erleben wir den Beginn einer Entwicklung, die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte: Wir stehen, wieder einmal, vor einer Kostenexplosion.

Es zeigt sich, daß die Adressaten des seit über zwei Jahren geltenden „Krankenversicherungs-Kostendämpfungs-Gesetzes“ zu laut geklagt und daß sich die Absender des Gesetzes zu früh gefreut haben. Die Kassen geben wieder erheblich mehr aus, als sie einnehmen – selbst begriffsstutzige Beitragszahler werden bald merken, was das für sie bedeutet.

Nach den neuesten, erst in diesen Tagen bekanntwerdenden Zahlen haben die Ortskrankenkassen im ersten Halbjahr je Mitglied 7,6 Prozent mehr ausgegeben als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Bei den Ersatzkassen soll der Ausgabenzuwachs 7,25 Prozent betragen.