La conférence des oiseaux“: Mit diesem Stück von Jean-Claude Carrière gastiert demnächst eines der seltsamsten Theaterunternehmen der Gegenwart in Deutschland-Peter Brooks „Centre International de Créations Théâtrales“ tritt vom 8. bis 16. September bei den Berliner Festwochen auf. Neben der „Konferenz der Vögel“ zeigt Brook noch eine zweite Arbeit: „L’Os“ (Der Knochen).

„Conference of the Birds“: So heißt im Original ein Buch des englischen Journalisten John Heilpern. Es ist jetzt auch auf deutsch erschienen: „Peter Brooks Theater-Safari“, Albrecht Knaus Verlag, Hamburg, 1979, 368 Seiten, 38 Mark. Es erzählt von der abenteuerlichen Suche nach jenem Stück über die Konferenz der Vögel, das jetzt (vielleicht) in Berlin aufgeführt werden wird. Doch das ist eine lange Geschichte ...

Im Jahr 1972 hat der Regisseur Peter Brook den Zenit seines Weltruhms erreicht – mit der Royal Shakespeare Company inszeniert er seinen, heute schon legendären, „Sommernachtstraum“. Doch dann verschwindet er plötzlich aus der höheren Theaterwelt – gründet in Paris ein Theaterlaboratorium mit Schauspielern aus vielen verschiedenen Nationen„ führt in Persepolis ein. Stück ohne Worte, ein Stück nur aus Lauten und Klängen auf „Orghast“ von Ted Hughes), reist ein Jahr später mit seiner Gruppe in Landrovern durch Afrika, spielt in Oasen, Dörfern und Städten, vor Menschen zumeist, die noch nie ein Theater gesehen haben.

Brooks Flucht vor dem Staatstheater, sein Gang in die Wüste, seine Verlautbarungen, er habe sich auf die Suche nach der „Ursprache“ des Theaters begeben: Ist das nur die Lebenskrise eines berühmten Künstlers oder wirklich ein neuer Anfang für das Theater? Unter all den Gurus jedenfalls, die unsere Welt beglücken, ist Peter Brook der erstaunlichste: ein durch und durch vernünftiger Mann.

Und wer seine kargen, verschlossenen, scheinbar geheimnislosen Inszenierungen im Pariser Theater „Bouffes du Nord“ („Timon von Athen“, „Les Iks“, „König Ubu“, „Maß für Maß“) gesehen hat, weiß, daß Schauspieler hier nicht ekstatisch „ausflippen“, sondern eine ganz neue Art von Mystik versuchen; die Erlösung, des Theatere durch die Einfachheit.

John Heilperns nicht übermäßig ehrgeizig formuliertes Buch über Brooks Afrika-Expedition wirkt zunächst nur wie ein amüsantes Reisetagebuch: die notorischen Anekdoten über all die Zwischenfälle, Katastrophen, wie sie nicht nur Theatertouristen auf ihren Safaris zustoßen.

Doch Heilperns Bericht, die glückliche, einen deutschen Theaterberichterstatter mit einigem Neid erfüllende Verbindung aus Unterhaltsamkeit und Ernst, Selbstbewußtsein und Selbstironie, aus Gläubigkeit zu Brook und spöttischer Distanz, ist rasch viel mehr als nur ein Plauderbuch: ein Lehrbuch über das Theater, seine abwegigen Träume, seine Niederlagen und Nervenzusammenbrüche.