Von Gerhard Seehase

Der Händedruck ist fest; aber man spürt trotzdem die Zurückhaltung des Mannes bei der Begrüßung. „Ach, Sie sind es“, sagt er, und das klingt so, als hätte sich einer bei ihm zu Besuch angemeldet, ohne eingeladen zu sein. Und auf die Frage, ob man so kurz vor der Ruder-Weltmeisterschaft etwa störe, sagt er, freundlich lächelnd, aber völlig unverblümt: „Natürlich.“

Etwas später gibt er zu, Journalisten gegenüber „zunächst einmal mißtrauisch“ zu sein. „Was über den Achter geschrieben wird“, sagt er, „ist häufig so unsachlich, daß es einem hochkommen kann. Aber Sie wollen ja hoffentlich keine Sensationellen.“

Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist Richard Wecke Leiter der .Ratzeburger Ruder-Akademie. Er kam aus Dresden; war in der DDR Nationaltrainer derFrauenmannschaft und sitzt jetzt auf jenem unbequemen Sessel, der seit dem Tod. von Karl Adam (1976) immer ein-bißchen „unterbesetzt“war. hat sich nichts geändert“, sagt er, „einen Achter ohne Problemegibt es nicht.“

Merkwürdig allerdings, die Probleme des derzeitigen Achters des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) machten sich erst nach einem sensationellen Erfolg bemerkbar. Bei den Ruderweltmeisterschaften im November 1978 in Neuseeland gewann dieses Boot, völlig überraschend, die Silbermedaille. Und prompt schlug man sich hierzulande an die Brust: „Wir sind wieder werf!“–Auch die Achter-Recken taten es. Und genauso prompt ging es dann mit diesem Boot wieder bergab.

Interne Zwistigkeiten begannen, als die Ruderer nach dem langen, harten Winter – viel zu spät – wieder aufs Wasser gehen konnten. Fritz Schuster aus Mannheim verließ den Achter, nicht ohne dem Verband ein „mangelndes Konzept“ vorzuwerfen („Ich habe den Zirkus satt“); Winfried Ringwald aus Ludwigshafen ging von Bord, weil er „nicht mehr wollte“. Bundestrainer Peter Schmidt stand zu Beginn dieser Saison vor einem Scherbenhaufen.

„Der größte Fehler war“, sagt Richard Wecke, „daß sich in den Köpfen einiger Athleten ein Selbstbewußtsein gebildet hatte, das notwendigerweise zur Bequemlichkeit führen mußte.“