Der 24. August 1979 wird Kirchengeschichte machen. Denn an diesem Tag veröffentlichten die beiden deutschen evangelischen Kirchen eine gemeinsame Erklärung. Das geschah aus Anlaß des deutschen Überfalls auf Polen und zum erstenmal seit der organisatorischen Trennung der bis dahin einheitlichen „Evangelischen Kirche in Deutschland“ im Jahre 1969.

Schon diese Tatsache allein, für viele unerwartet, wäre der Würdigung wert: daß nach so langem, erzwungenem. Schweigen beide Kirchen endlich wieder mit einer Zunge reden und daß gerade sie es vermochten, nicht aber die beiden Staaten, die andere, sie gleichwohl gemeinsam betreffende Anlässe dazu gehabt haben.

Das Kirchen wort zum Frieden fordert Besinnung, auch Anerkennung noch aus anderen Gründen: Einmal, weil sich unumwunden auch die DDR-Kirche zur Erziehung zum Frieden bekennt – ein mannhaftes Einstehen gegen die Haßpädagogik des Wehrkundeunterrichts. In der Erklärung heißt es dazu: „Wir wissen: Lange bevor ein Krieg ausbricht, hat er in den Gedanken und Herzen der Menschen schon begonnen. Mißtrauen und Angst und das Gefühl der Bedrohung löschen alle anderen Hoffnungen aus. Darum haben wir jetzt für eine konsequente Erziehung zum Frieden zu sorgen.“

Der andere bedenkenswerte Grund ist das erneute Eingeständnis vom Versagen der Kirche, wie es schön bald nach Kriegsende in der Stuttgarter Schulderklärung eingestanden worden war. Schließlich hatte die damalige „Deutsche Evangelische Kirche“ in einem Aufruf vom 2. September 1939 dem Unheil ihre Stimme geliehen: „Zu den Waffen aus Stahl hat sie (die Kirche) unüberwindliche Kräfte aus dem Wort Gottes gereicht.“

Für die Christen in beiden deutschen Staaten ist die Kirche längst wieder glaubwürdig, des Glaubens würdig geworden. D. St.