„Wunderheiler“ in Aktion: der üble Versuch, aus dem, Schicksal eines Menschen Kapital zu schlafen

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen einen gewissen Josef Müller, der das Handwerk eines Malers erlernt hat, längst aber auf einen Dreh gekommen ist, auf leichtere Weise Geschäfte zu machen: indem er vorgibt, seine Hände seien zu Höherem fähig als zum Führen eines Pinsels.

Josef Müller, angeblich ein „Wunderheiler“, ein Mann mit übernatürlichen Heilkräften, hat sich mehrere Wochen lang am Krankenbett des 25jährigen Handball-Nationalspielers Joachim Deckarm zu schaffen gemacht, der bei einem Sportunfall am 30. März dieses Jahres schwere Schädel- und Hirnverletzungen erlitt und seither nicht aus der Bewußtlosigkeit erwacht ist. Josef Müller „legte Hand auf“, vollführte allerlei Hokuspokus, der sich als grober Unfug qualifizieren ließe, wäre der Anlaß nicht so makaber.

Übernatürlich war an Josef Müller allein die Unverfrorenheit, mit der er das Ergebnis seiner paranormalen Bemühungen öffentlich als erfolgreich darzustellen versuchte: Auf einer von ihm einberufenen „Pressekonferenz“ verkündete er, er habe die Bewußtlosigkeit des Patienten durch Handauflegen beendet; spätestens zu Weihnachten werde Joachim Deckarm wieder gesund sein.

Die Ärzte der Klinik in Bad Homburg, die von dem Wirken des Wundertäters nichts wußten, haben das verantwortungslose Treiben inzwischen unterbunden. Auch – die – Eltern Joachim Deckarms, in deren Vertrauen Müller sich mit Hilfe eines Bekannten der Familie eingeschlichen hatte, haben inzwischen eingesehen, daß sie – in ihrer Verzweiflung über das Schicksal ihres Sohnes nach jedem Strohhalm greifend – einem Scharlatan aufgesessen sind. Verständnis dafür, daß sie einem Menschen glaubten, der versprach, ihren Jungen zu heilen, wird man ihnen nicht versagen.

Verständnis für die Handlungsweise des Herrn Müller und seiner Helfer bringt man um so weniger auf. Unter allen Möglichkeiten, auf das Unglück von Mitmenschen zu reagieren, interessiert oder uninteressiert, mitleidig oder bloß neugierig, – hilflos oder gleichgültig, ist dies sicherlich die widerwärtigste: zu versuchen, daraus auch noch Kapital zu schlagen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Ob es tatsächlich zu einem Verfahren kommt, ist nicht sicher, denn zwischen anerkanntem Heilpraktikertum und der Tätigkeit von Scharlatanen sind die Grenzen nicht immer ganz eindeutig gezogen, und Wundertäter Josef Müller war klug genug, in diesem Falle auf ein Honorar zu verzichten. Er wußte, wohl: Sein Name in Verbindung mit dem Namen des prominenten Patienten, groß aufgemacht in den Schlagzeilen der Boulevardpresse, würde Werbung und Lohn genug sein.