Von Rolf Michaelis

Mann, nachts, allein. Was zeichnet er? Nicht die gewünschte Bau-Skizze, sondern das Gesicht einer Frau. Wir sind erst zwei Minuten im Kino, haben aber schon einiges verstanden. Jetzt fingert der Mann nach einer Zigarette. Die ist ihm, plötzlich, zuwider. Er kippt die restlichen Stäbchen aus der Packung, wirft sie nicht einfach in den Abfallkorb, sondern bricht sie, brutal, in der Mitte. Erst dann trennt er sich von dem Gift.

In der ersten Einstellung schon erzählen/kritisieren Jurek Becker und Frank Beyer die Geschichte des Architekten Max: Da beginnt einer sein Leben neu, aber es geschieht so heftig, daß der neue Anfang mit kritischen Fragezeichen beschwert ist.

So der ganze Film: Angebote zum Mit- und Nachdenken. Vierzehn Jahre lang waren der Architekt Max und die Angestellte Wanda verheiratet. Seit einem Jahr leben sie, geschieden, nebeneinander, in derselben Stadt (Ost-Berlin). Seit einer Woche hat sich Max bei Wanda wieder einquartiert, mit einem Trick. In der Einsamkeit leidet der Mann unter der Sehnsucht nach der Frau: „Noch nie hat mir was so leid getan wie unsere Scheidung.“ Nicht nur als Nichtraucher will er der Frau beweisen, daß er anders, daß er „besser“ geworden ist. Als angeblich von der Polizei gesuchter Täter spekuliert er auf die Solidarität der einstigen Partnerin. Er hat sich nicht verrechnet: Wanda nimmt ihn auf. Für sieben Tage. Dann soll sich der in Wahrheit Schuldige, den es gar nicht gibt, der Behörde stellen, Dann soll der Ex-Gatte wieder ausziehen. Dann soll der Freund, den die geschiedene Frau inzwischen hat, sich wieder in Küche und Schlafzimmer tummeln dürfen.

Doch dazu kommt es nicht. Auch nicht zur zweiten Heirat. Was dazwischen passiert, ist von einer für beide deutsche Staaten so vergnüglichen wie verstörenden Realität. Wanda hat von der überraschenden Freiheit profitiert, will nicht zurück in einen noch so behaglichen Ehe-Käfig. Max indes ist der „Freiheit“ müde, sehnt sich nach der durch eine Frau verkörperten Fürsorge und Häuslichkeit.

Über Emanzipation, die ja auch eine des Mannes sein muß, wird hier kritisch unterhaltsam nachgedacht und in Bildern erzählt. Was geschient, nicht nur äußerlich, sondern auch in Gefühl und in Gedanken mit Menschen, die sich so weit auseinander leben, daß sie sich beim Scheidungsrichter wiedersehen, auch wenn der beiden das Kompliment macht: „Ihre nächsten Partner sind wirklich zu beneiden“? Der Film sucht, mit Witz und Ironie, (eine) Antwort auf diese Frage.

Und so was kommt aus der DDR? Soviel melancholische Heiterkeit, Witz und nachdenkliche Leichtigkeit gedeihen hinter Mauer und Stacheldraht?