Die betroffene Industrie gründete ein Asbest-Institut

Von Wolf gang Faigle

Die Tatsache ist seit Jahrzehnten bekannt: Asbest kann Krebs auslösen. Dennoch werden weltweit jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen dieses faserigen Minerals verarbeitet. Experten in vielen Staaten denken heute jedoch darüber nach, wie sich der Asbestverbrauch wieder einschränken läßt. Nach Ersatz wird in aller Welt mit großem Einsatz gesucht.

Nun raffte sich auch die betroffene deutsche Industrie auf und gründete Anfang dieses Jahres – spät, aber immerhin – das „Asbest-Institut für Arbeits- und Umweltschutz e. V.“, das jetzt offiziell vorgestellt wurde. Offenbar hat auch die Industrie die zunehmende Brisanz des Themas Asbest erkannt und die Flucht nach vorn angetreten.

Die in- und ausländische Asbestindustrie stattet das Institut (Sitz: Neuss) mit zweieinhalb Millionen Mark jährlich aus. Einschlägig befaßte staatliche Stellen wurden eingeladen, Vertreter in den hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat („Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Asbest“) zu entsenden. Bis jetzt reagierten sie eher zurückhaltend, doch Wolf E. Lehmann, Vorsitzender des Instituts-Verwaltungsrates und im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Asbestzement-Fabrik Eternit AG, glaubt, daß sich das noch ändert. Bei den gleichfalls eingeladenen Gewerkschaften entstanden um die Beteiligung am neuen Asbest-Institut heftige interne Auseinandersetzungen. Die endgültige Zusage kam erst, als Satzung und Geschäftsordnung des Instituts in Richtung volle Parität geändert worden waren.

Jährlich 10 000 Asbestkrebs-Tote?

Nach dem offiziellen Aufgabenkatalog hat sich das Institut unter seinem Chef Klaus Robock viel vorgenommen, wahrscheinlich mehr, als es mit seinen sechzehn Kräften leisten kann. Erste konkrete Aktivität: Asbestzement-Produkten wird demnächst ein (ziemlich zurückhaltend formulierter) Warnzettel beigepackt.