Offensichtlich will sich die Regierung bei der Suche nach einem neuen Vizepräsidenten für den Bundesnachrichtendienst Zeit lassen. Daran tut sie gut, denn wie sorgfältig sie ihre Wahl treffen sollte, zeigen gerade die disparaten Wünsche jener, die sich jetzt über die Nachfolge von Dieter Blötz, der über eine Liebesaffäre im Amt gestolpert ist, öffentlich den Kopf zerbrochen.

Einigermaßen einleuchtend erscheint der Wunsch, der neue Vize möge ein Militär sein. Das liegt nahe, weil neben dem Außenamt das Verteidigungsministerium Hauptabnehmer der Dienste des Dienstes ist. Freilich klingt es oft so, als ob ein hoher Offizier als zweiter Mann nach Pullach müsse, weil früher immer Militärs an der Spitze des BND gestanden haben, während sein gegenwärtiger Präsident Klaus Kinkel ein Zivilist ist. Doch ein Militär um des Militärs willen und weil das schon immer so war – dies ist kein Argument.

Einiges spricht auch für das Verlangen von Franz Josef Strauß, der neue Vize müsse auch das Vertrauen der Opposition haben – aber alles spricht dagegen, ihn im Sinne eines parteipolitischen Gleichgewichts zu installieren. Nicht ganz zu Unrecht war gegen Blötz von Anfang an eingewendet worden, daß er, bei Amtsantritt überdies ein nachrichtendienstlicher Laie, als sozialdemokratischer Aufpasser in den stark konservativ eingestimmten BND geschickt worden sei. Die politischen Seilschaften noch auszubauen, Geheimdienst nach Proporz, das wäre gewiß die absurdeste Lösung.

Nötig ist ein ausgewiesener Fachmann. Ob es sich dabei um einen Militär oder einen Zivilisten handelt, spielt eine untergeordnete Rolle. Einem Fachmann wird auch die Opposition das Vertrauen nicht versagen wollen. Und daß der neue Vize ebenso das Vertrauen der Regierung besitzen muß, versteht sich wohl von selbst. c.c- k.