München

Ein Gnadenerweis wird nicht gewährt.“ So lautet lapidar die Entscheidung des nordrhein-westfälischen Justizministers mit dem Aktenzeichen 4251 E III B. 550/79. Damit sind nicht nur die Hoffnungen eines 35 Jahre alten Strafgefangenen in Bielefeld vorläufig zerstört – in einem kleinen bayerischen Ort am Chiemsee zweifelt auch ein Bürger an der Glaubwürdigkeit politischer Bekenntnisse zur Resozialisierung und an den Möglichkeiten eines einzelnen, sie in die Tat umzusetzen.

Vor gut fünf Jahren hatte sich ein in Bayern lebender, heute 68 Jahre alter Schauspieler von einem Appell des damals amtierenden Düsseldorfer Justizministers Diether Posser angesprochen gefühlt, straffällig gewordenen Menschen bei der Rückkehr ins bürgerliche Leben zu helfen. Aus der spontanen Bereitschaft dazu antwortete er auf die Zeitungsanzeige eines Häftlings, der einen Ansprechpartner suchte. Damals war der Schauspieler zuversichtlich, bislang unbekannte Probleme durch entschlossenes Engagement lösen zu können.

Der erste Brief, den sein „Fall“ aus dem Gefängnis schrieb, schloß mit der bitteren Bemerkung, nach dieser Selbstdarstellung sei wohl kaum noch auf Antwort zu hoffen. Doch so schnell gab der einmal nachdenklich gewordene Bürger nicht auf. Schließlich hatte er sich ja um einen Kriminellen kümmern wollen. Nach zwei Monaten intensiven Briefwechsels besuchte er ihn zum erstenmal: Konfrontation mit der Realität des Vollzugs. Eine persönliche Bindung entstand, aus der grundsätzlichen Bereitschaft zu helfen wuchs die Entschlossenheit, sich für einen Mitmenschen mit ganzer Kraft einzusetzen.

Mopeds, Autos, Bankraub

Der Gefangene – wir wollen ihn Werner nennen, denn noch heute droht ihn seine Vergangenheit einzuholen – wartete zu jener Zeit auf einen neuen Prozeß wegen Bankraubs, Überfalls und mehrerer Diebstähle im Rückfall. Es war die folgerichtige Station in einer kriminellen Karriere.

Aufgewachsen in einer bürgerlichen und zumindest nach außen hin intakten Familie, hatte Werner nach der Volksschule eine Lehre als Kraftfahrzeugschlosser begonnen. Aus Begeisterung für das Fahren stahl er bereits mit 14 Jahren Mopeds, dann Autos. Die erste Jugendstrafe wurde noch zur Bewährung ausgesetzt, doch er war auf eine schiefe Bahn geraten, die immer abschüssiger wurde.