Unsere Kunst ist ein von der Wahrheit Geblendetsein: das Licht auf dem zurückweichenden Fratzengesicht ist wahr, sonst nichts!“ Diese Worte Franz Kafkas aus den „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“ charakterisieren ein Konstitutivum der Dichtung Kafkas und legitimieren zugleich grundsätzlich Inhalt und Form von Bildwerken von Kafka, seien diese in farblichen Abschattungen, oder seien sie im Licht und Dunkel der aus dem Expressionismus geborenen Graphik. Schwarz-Weiß ist denn auch der vorherrschende Eindruck der Bilder in dem Buch von –

Wolfgang Rothe: „Kafka in der Kunst“; Beiser Verlag, Stuttgart/Zürich, 1979; 128 S., 100 Abb., 48,– DM.

Keine farbige Wiedergabe findet sich in dieser Dokumentation eines halben Jahrhunderts malerischer Beschäftigung mit Kafka. Die Reproduktionsqualität zeigt gelegentlich so starke Einbrüche, daß etwa die sensiblen Graphiken von Otto Coester entstellt sind.

Der Anspruch des Repräsentativen, von dem Rothe auf Seite 7 spricht, wird sicher nicht erfüllt, wenn schon ein erster Blick das Fehlen von Künstlern wie A. Paul Weber, Joan Ponç (der mit seinen abstrakten Kompositionen keineswegs durch den Mexikaner José Luis Cuevas ersetzt werden kann) und Vavro Oravec bemerkt.

Grund für deren Fehlen kann nicht das behauptete Auswahlkriterium der Qualität sein, da etwa die Kafka-Porträts von Oravec an wichtiger Stelle im Text (S. 22) gewürdigt werden. Sollte Vavro Oravec zu den Malern gehören, die für den Herausgeber unauffindbar geblieben sind, so sei versichert, daß dessen Aufenthalt in CH-3098 Könitz kein Geheimnis ist.

Qualität ist allenthalben zu vermissen: Die interpretatorische Prämisse vom „durch und durch autobiographisch bestimmten CEuvre“ (S. 27) Kafkas ist so zweifelhaft, daß sie den Deuter zu höchster Vorsicht bringen sollte. Das machte auch das Symposion über Kafka in Klosterneuburg deutlich (ZEIT, Nr. 27, vom 29. 6. 1979).

Folgen davon sind die ungerechtfertigte Fixierung Kafkas auf’s Optische und seine fälschlich behauptete „Gleichgültigkeit gegenüber Musik“ (S. 9). Hier hätte die metaphorische Dimension der Äußerungen des Dichters mitbedacht werden müssen, etwa der an bedeutsamer Stelle erscheinenden Passage aus der „Verwandlung“: „War er ein Tier, da ihn Musik so ergriff? Ihm war, als zeige sich ihm der Weg zu der ersehnten unbekannten Nahrung“ (Vgl. Abb. 36).