Im internationalen Vergleich schneidet die Bundespost gut ab

Von Wolfgang Hoffmann

Die britische Briefpost, ansonsten ganz reputierlich, hatte vor einigen Wochen wieder einmal ein Tief. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, schlimm war nur, daß der neue Industrieminister Sir Keith Joseph die Gelegenheit nutzte, die britische Post zu schocken. Vage deutete er an, der Staat werde womöglich nun auch das staatliche Monopol der Briefpostbeförderung zwecks Privatisierung unter den Hammer bringen.

Großbritanniens Publikum klatschte lebhaft Beifall. Denn so schlecht wie in jenem Augenblick war die Post schon lange nicht mehr. Die Briefkastenschlitze in einigen Londoner Bezirken mußten sogar amtlich versiegelt werden, weil die Kästen mangels Leerung überquollen. Und auf wichtigen Postämtern türmten sich die Säcke voller Post, auf die die Empfänger vergeblich warteten.

Aber was in England nur von Fall zu Fall die sonst eher gelassenen Briten ergrimmt, ist nichts im Vergleich zu dem, was sich in Italien tagtäglich abspielt. Bei der italienischen Briefpost geht nämlich stets alles drunter und drüben

Die Brief post ist ein einziger Skandal, klagen die Italiener, und sie meinen damit, daß ein Brief im Regelfall drei Tage bis drei Wochen für den Weg zwischen Absender und Empfänger braucht.

Bei dem bisher größten Skandal in der italienischen Briefgeschichte kamen massenhaft Sendungen überhaupt nicht mehr an. Einem halben Dutzend Carabinieri war zu verdanken, daß etliche Liebesbriefe, Gestellungsbefehle, Reisepässe und wertvolle Dokumente schließlich doch noch ihr Ziel erreichten. Eigentlich war diese Post von der Mailänder Postdirektion einer Papierfabrik in Bergamo zugedacht; denn dorthin hatten die Postler 4300 Zentner Korrespondenz als Altpapier verscherbelt.