Die Kurgäste von Bad Meinberg erleben es höchst selten: Zur Demonstration wird gelegentlich die Mofette im Kurpark bei der Wandelhalle geöffnet. Mit der Gewalt von 25 Atmosphären Überdruck zischt ein dicker Strahl Kohlensäuregas aus dem Ventil und steht wie ein meterhoher Geysir über der Wiese.

Mofetten, Moor und Mineralquellen sind die Kurmittel des properen, familiär wirkenden Bades mit den Indikationen Rheuma und Frauenkrankheiten (etwa 60 Prozent der Patienten) sowie Herz- und Nervenleiden. Zusätzliche Heilmittel sind die Wiesentäler und Forsten am Rande des Teutoburger Waldes, die gute Luft und das behagliche Städtchen selbst (rund 5000 Einwohner) mit romantischen Winkeln und modernen Kureinrichtungen.

Das lippische Staatsbad ist ein unselbständiger Wirtschaftsbetrieb des Landesverbands Lippe, der seit dem Anschluß des Landes an Nordrhein-Westfalen lippisches Traditionsvermögen (darunter Bad Salzuflen, Wälder, Domänen und Kulturinstitute) als Körperschaft des öffentlichen Rechts verwaltet („im Sinne der Förderung des Gemeinwohls nach wirtschaftlichen Grundsätzen“). Bad Meinbergs Kurverwaltung operiert mit einem Etatvolumen von 19 Millionen Mark (1979), Größere Ausgaben bedürfen der Genehmigung der Verbandsversammlung. Das nordrhein-westfälische Innenministerium ist Aufsichtsbehörde.

In jüngster Vergangenheit hat die Kurverwaltung erhebliche Anstrengungen unternommen, die Meinberger Kur attraktiver zu gestalten. Zwischen 1952 und 1960 wurden drei Badehäuser gebaut, 1973 ein Bewegungszentrum, die Kurhäuser „Stern“ und „Rose“ wurden modernisiert, die vier Kurparks (jetzt 65 Hektar) erweitert. Die Heilkraft der Kohlensäurebäder und Moorpackungen und der großzügige Ausbau der Kureinrichtungen (Gesamtinvestition: 40 Millionen) haben das Bad nicht vor der Rezession des Jahres 1976 bewahrt. Kurdirektor Dörenmeyer: „Die Bilanz ist seit drei Jahren defizitär.“

Zwischen 1960 und 1975 war die Zahl der Kurgäste bei zunächst gleichem, später zunehmendem Anteil der Vertragspatienten von rund 28 000 auf 36 000, die Übernachtungen von 700 000 auf 900 000 gestiegen. 1976 ging die Gästestatistik um fast 30 Prozent zurück. Die Einbußen bereiteten dem Kurdirektor schlaflose Nächte. Die Kurverwaltung mußte 80 Angestellte (von 400) entlassen. Die, laut Dörenmeyer, „kleine, aber personalkostenintensive Verwaltung“ beschäftigt heute 80 Badewarte, 42 Masseure, 18 Gärtner, 14 Musiker. Walter Dörenmeyer ist nicht entmutigt: „Die große Talfahrt ist offenbar zu Ende. Ich sehe gute Perspektiven. Bloß dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Wenn wir uns nicht tummeln, verlieren wir den Anschluß. Der Zug ist schnell abgefahren.“

Das „Tummeln“ wird sieben Jahre anhalten und schätzungsweise 70 Millionen Mark kosten. Kurdirektor Dörenmeyer verordnet Bad Meinberg zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit eine regelrechte Verjüngungskur – kurz: „Qualitätsverbesserung der Angebotspalette“. Seine Vorstellungen faßt er in drei Komplexen zusammen:

1. Verbesserung der klinischen Komponente, stärkere wissenschaftliche Untermauerung der Kur, keine Routineabfertigung.