Vom kommenden Jahr an gibt es „Kinderbetreuungsfreibeträge“ – fünfzig Mark pro Monat und Elternteil für jedes Kind. Vorgesehen ist, daß die Eltern entsprechende Aufwendungen für die Kinderbetreuung nachweisen. Doch just auf diesen Nachweis wollen nun CDU und CSU verzichten. Bundesfinanzminister Matthöfer ist darüber empört, und der Kritiker, ein finanzpolitischer Saubermann, möchte ihm zunächst recht geben.

Doch dann gehen ihm allerlei Gedanken durch den Kopf. Er denkt etwa an’unsere Bundestagsabgeordneten, die sich eine Steuer- und nachweisfreie Aufwandspauschale von 4500 Mark pro Monat spendiert haben – viereinhalbtausend für Aufwendungen, die ihnen, weil sie zum Beispiel umsonst mit der Bahn fahren dürfen, oft gar nicht entstehen.

Von den Abgeordneten schweift der Sinn zu den Landwirten. Sie, schon jetzt steuerlich begünstigt, sollen künftig erst bei Gewinnen von mehr als 28 000 Mark pro Jahr Belege sammeln; eine Buchführung wird ihnen erst bei Gewinnen von mehr als 36 000 Mark zugemutet.

Bei diesen Vergleichen nimmt die Vorliebe für finanzpolitischen Purismus rapide ab. Wenn schon saubere Verhältnisse herrschen sollen, dann sollten die Abgeordneten und Minister des Bundes und der Länder bei sich selbst beginnen – nicht aber bei dem, der da fünfzig Mark bekommen soll, die, einschließlich des Kindergeldes, nicht annähernd die tatsächlichen Kosten der Kindererziehung decken. pl