Zählt man die journalistischen, die künstlerischen, technischen, die verwaltenden und gerierenden Mitarbeiter, die das Deutsche Fernsehen, Kanal 1 und Kanal 2, zur Funkausstellung nach Berlin fliegen ließ, so kommt eine Tausenderschaft wohl leicht zusammen.

Es war ein Kraftakt ohnegleichen. Auch ein Verteidigungsmanöver? Großgeschrieben wurde die Unterhaltung. Teure Stars in Live – wer wollte, wer konnte da noch von der Müdigkeit des öffentlich-rechtlichen Systems sprechen. Einer immerhin war ehrlich, Dieter Stolte, Programmdirektor des ZDF: „So was können wir aus finanziellen und personellen Gründen nur in Ausnahmefällen machen.“

Ein potemkinsches TV-Dorf also, dessen trügerische Fassade dem geschätzten Publikum (Stolte: 80 Prozent der Zuschauer wollen Unterhaltung sehen) vorgaukeln sollte, daß in unserem Fernsehen eben diese Unterhaltung einen vorzüglichen Anstrich habe. So daß also, und darum geht ja gerade im Augenblick der Medienkampf, die freie Konkurrenz gar nicht vonnöten sei.

So ganz hat die große Show aber nicht funktioniert. Erinnert man sich der gängigen – freilich nicht bewiesenen – These, daß ein kommerzielles Fernsehen das TV-Niveau zwangsläufig in den Keller drücken werde, dann fiel immerhin auf, daß die Eröffnungsgala in Berlin schon jetzt ein trauriger Gruß aus dem Souterrain war.

Tiefer geht’s nimmer – trotz der hochbezahlten Liza Minelli, die durch die Gnade der Sprachschwelle offenbar nicht einmal begriff, in welchen Dilletantismus sie sich da eingelassen hatte. Kurzum: Die Unterhaltungssparte im Deutschen Fernsehen liegt im argen.

Woran liegt das? Über zwei Gründe ist nachzudenken. Könnte es erstens sein, daß den höheren Lustbarkeits-Beamten im Fernsehen – zünftig U-Chefs genannt – (U gleich Unterhaltung) der Einfallsreichtum im Verwaltungsgerangel abhanden gekommen ist?

Und könnte es zweitens sein, daß die Unterhaltungskonzeption von vornherein falsch war?