Stuttgart

Endlich ist er da – der Knigge für die Beamten. Wer sich bisher über unfreundliche Staatsdiener geärgert hat, kann aufatmen: In Zukunft wird alles besser. Grund zu solch hoffnungsvoller Prognose gibt die Broschüre „bürgernah informieren und handeln“, die das baden-württembergische Staatsministerium im Juli an alle Behörden-Mitarbeiter verteilt hat.

In einer Auflage von 200 000 Stück gibt das Ministerium seinen Beschäftigten lebensnotwendige Tips, wie Besucher, egal ob vorgeladen oder freiwillig hilfesuchend, behandelt werden sollen:

„Es ist selbstverständlich, seinen Gruß zu erwidern. Sprechen Sie ihn mit Namen an. Bieten Sie ihm, wenn möglich, einen Stuhl an. Zeigen Sie Sachkunde und Interesse.“

Der Zweck des Druckwerkes sei eine Verbesserung des Behörden-Images, das momentan noch zu wünschen übrig lasse, wird aus dem Staatsministerium gemeldet.

Fraglich ist jedoch, ob der „behördliche Schuß“ nicht nach hinten losging. So viele Weisheiten, wie in der bunten Broschüre niedergeschrieben, rauben dem Leser beinahe den Atem. Da müssen alte deutsche Sprichwörter, wie „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, oder brandaktuelle Erkenntnisse, wie „Der Computer kann sich für einen Irrtum nicht entschuldigen. Tun Sie es für ihn“, herhalten, um Behörden-Mitarbeiter zu erziehen.

Kurz vor Beginn der Ferien in Baden-Württemberg flatterten die Benimmtips den Staatsdienern auf den, wahrscheinlich für den Urlaub schon abgeräumten, Schreibtisch.