• Die Bundesregierung hat dieser Tage den Bericht zur Lage der Freien Berufe vorgelegt. Danach geht es den rund 300 000 Freiberuflern ja recht gut. Ihnen reicht das aber offenbar noch nicht. Sie haben an dem Bericht einiges auszusetzen. Was?

Rollmann; Eines, ist richtig. Die Freien Berufe verdienen im Durchschnitt nach einer vieljährigen Ausbildungszeit, nach einem langen Arbeitstag und bei der Notwendigkeit der Eigenvorsorge eine schöne Stange Geld, jedenfalls im Durchschnitt, möchte ich ausdrücklich sagen. Denn neben den gutverdienenden Gruppen der Freien Berufe gibt es auch welche, die im Schatten stehen ...

  • ... wie aber ja überall...

Rollmann: .. wie überall, sicher. Aber am Bericht der Bundesregierung stört uns gar nicht so viel. Wir sind der Meinung, daß hier eine solide Arbeit geleistet wurde, die viel Engagement und Sachkunde verrät. Wir haben diesen Bericht vor allem dem Parlamentarischen Staatssekretär Grüner aus dem Wirtschaftsministerium zu verdanken, der für uns zuständig ist. Aber etwas stört uns: Im Bereich der Vorsorgeaufwendungen nicht nur der Freien Berufe, sondern aller Selbständigen, für Alter und Krankheit ist der Bericht etwas kurz und zurückhaltend geraten.

  • Was meinen Sie damit?

Rollmann: Gemeint ist das Problem der steuerlichen Gleichbehandlung der Selbständigen mit den Unselbständigen. Die Bundesregierung hat eine sehr schöne Formulierung gefunden von der Gleichstellung der Selbständigen mit den Arbeitnehmern, aber unseres Erachtens sind die Konsequenzen, die daraus angedeutet werden, nicht ausreichend gezogen worden. Die Regierung möchte nur zur gegebenen Zeit eine weitere Anhebung des sogenannten Vorwegabzuges prüfen. Dieser Abzug, der als steuerliches Äquivalent dafür konstruiert worden war, daß die Selbständigen keinen steuerfreien Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung haben, hat sich als unzulänglich erwiesen. Er hinkt immer hinter der Entwicklung her. Unser Präsidium tritt deshalb nachdrücklich dafür ein, daß analog dem Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung der Arbeitnehmer die Hälfte der Vorsorgeaufwendungen der Selbständigen bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Sozialversicherung in Zukunft steuerfrei wird.

  • Aber die Selbständigen haben die Möglichkeit, Kosten für ihren Betrieb als Betriebskosten voll von der Steuer abzusetzen. Es läßt sich nie genau trennen, welcher Teil der Betriebskosten wirklich nur berufsbedingt und welcher zugleich auch noch einen privaten Vorteil hat. Ob das nun Geschenke an die Oma sind oder die Nutzung des Pkw. Die Kosten für den Pkw können bis zu 80 Prozent abgeschrieben werden, und wer kann schon sagen, ob die berufsbedingte Nutzung tatsächlich nicht nur 50 Prozent beträgt. Solche Möglichkeiten hat der Unselbständige nicht.