Bayernhypo und Bayerische Vereinsbankauf unterschiedlichem Kurs

Da war das Trommelfell der Öffentlichkeit empfindlicher, als wir geglaubt haben“ – so kommentiert Wilhelm Arendts, Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, die unerwartet allergische Reaktion auf einen spektakulären Paketwechsel.

Als vor kurzem die Hypo-Bank, noch vor wenigen Jahren als „Brau-Bank“ in aller Munde, sich ausgerechnet von ihrem wertvollsten Bierbesitz trennte und die knappe Majorität bei der Münchner Paulaner-Salvator-Thomas-Bräu AG an den Bauunternehmer Josef Schörghuber verkaufte, wurde dies allgemein als Paukenschlag empfunden.

Denn gerade die Bank, die in den vergangenen zehn Jahren mit ihrer expansiven Beteiligungspolitik am meisten Furore gemacht hat, scheint sich nun, sozusagen im Vorgriff auf kommende gesetzliche Regelungen, von möglichst vielen Paketen wieder trennen zu wollen.

Von „Ausverkaufsstimmung“ spricht ein Münchner Beobachter. Und zwangsläufig entsteht so der Eindruck, Wilhelm Arendts wolle sich damit deutlich von der Politik seines Vorgängers Anton Ernstberger absetzen, dessen Name vor allem mit dem forcierten Kauf von Braubeteiligungen verbunden ist. Die Akquisitionen allein in den Jahren 1969 bis 1971 summierten sich auf schätzungsweise 500 Millionen Mark. Ernstberger mußte sich deswegen sogar von Bundeskanzler Schmidt im Bundestag kritisieren lassen.

Zwar hat Arendts mit dem Abbau von Mehrheitspaketen – bei der Ersten Kulmbacher Brauerei und bei Reichelbräu sowie zunächst durch Teilverkauf von Paulaner – schon zu Lebzeiten Ernstbergers begonnen, als dieser noch Aufsichtsratsvorsitzender der Bank war. Aber Ernstberger, der Ende letzten Jahres starb, hat darüber im vertrauten Kreis häufig Unmut geäußert.

Gewiß kann Arendts darauf verweisen, daß bereits sein Vorgänger selbst in den letzten Jahren eine teilweise Umschichtung von Industriebeteiligungen zu Immobilien angekündigt hat. Diese Entwicklung kam ganz zwangsläufig vor allem durch das architektonisch gewagte und überaus kostspielige neue „technische“ Verwaltungsgebäude im Münchner Stadtteil Bogenhausen (unmittelbar neben Schörghubers Arabella-Haus), boshaft „Tonis Denkmal“ genannt – denn Ernstberger hat es seinem Nachfolger als teures Erbe hinterlassen. Es wird beinahe doppelt so viel Geld erfordern, wie ursprünglich angenommen. Von Jahr zu Jahr mußte der Vorstand in den Hauptversammlungen die Summe nach oben korrigieren. Wenn er mit einer halben Milliarde Mark auskommt, darf er froh sein.