Hamburg

Mit der Hamburger Morgenpost, einem schmalbrüstigen Boulevardblättchen, das der Sozialdemokratischen Partei gehört, geht es nun endgültig zu Ende. In der nächsten Woche wird der Aufsichtsrat der Konzentrations GmbH über einen Antrag des SPD-Schatzmeisters entscheiden, dem Blatt den Gnadenstoß zu geben.

Als im November 1976 der pflichtbewußte Genosse Conrad Ahlers als Chefredakteur engagiert wurde, konnte er auch damals schon nichts anderes tun, als auf taktvolle Weise Sterbehilfe zu leisten. Die Genossen waren unfähig, den Verlag der Morgenpost, inklusive einer Druckerei, nach wirtschaftlichen Methoden zu führen. Marxens „Pressbengel“ führten den Laden immer tiefer in die roten Zahlen.

Mußte dies so kommen? Offensichtlich können Sozialdemokraten keine Zeitung machen. Was blieb nicht schon alles auf der Strecke! Telegraf und Nachtdepesche in Berlin, das Hamburger Echo der Lübecker Morgen, die Südwest Rundschau, die Kieler Morgenzeitung – ein kleiner Ausschnitt aus dem großen SPD-Medienfriedhof.

Und nun dazu die Morgenpost. Ein Grund, Tränen zu vergießen? Sie ist ein schwacher Abklatsch der Bild-Zeitung, die den Ereignissen des Boulevards nachhechelte. Gewiß, sie hatte ihre Protestkäufer unter den aufrechten sozialdemokratischen Hafenarbeitern, denen Bild zu aufdringlich ist. Aber lesen mußte ein Hamburger nicht unbedingt die Morgenpost, um orientiert zu sein. Und alle journalistischen Träume, aus dem Blatt eine Münchner Abendzeitung oder einen pfiffigen Berliner Abend zu machen, blieben Träume.

Doch die Sozialdemokraten sind fixe Jungs. Wenn heute die Morgenpost begraben wird, so sind natürlich andere schuld, der übermächtige Springer, der dann endgültig das Monopol auf dem Hamburger Tageszeitungsmarkt besitzt. Und natürlich auch die anderen Hamburger Verleger, die sich partout weigern, die Morgenpost durch eine Gemeinschaftskollekte zu retten. Immerhin wären 15 Millionen Mark nötig.

Das Federgewicht unter den sozialdemokratischen Landesfürsten, Bürgermeister Klose, schwang sich dann auch prompt zu Drohgebärden auf: Wenn Sie nicht helfen, muß ich Sie attackieren, ließ er sinngemäß die Hamburger Verleger wissen und hatte auch die Idee parat, wenn’s denn eine Idee ist: Die öffentlich-rechtliche Zeitung.