Die ersten vierzehn Tage – Erfahrungen der Vietnam-Flüchtlinge, die nach Hamburg kamen

Von Gabriele Venzky

Auf dem Treppenabsatz im zweiten Stock hat sich Trinh Van Mau niedergelassen. Aus seinem Zimmer hat er sich einen Stuhl geholt, und nun schaut er hinunter auf das Treiben vor der Tür. Genauso wird er wohl auch jeden Tag vor seinem Geschäft in Saigon gesessen haben. Nichts entgeht ihm. Eigentlich würde er gern unten im Eingang sitzen. Aber da ist es denn doch zu turbulent. Und vor allem, es ist ihm viel zu kalt.

Denn sie frieren alle schrecklich in diesen Tagen, die sich „Hamburger Sommer“ nennen – die 274 Vietnam-Flüchtlinge, die die ZEIT vor zwei Wochen in die Hansestadt geholt hat. Parkas und Wollpullover haben Hochkonjunktur. Immer wieder wird die gleiche Frage gestellt: „Ist dies tatsächlich die wärmste Zeit hier?“

Für die nächsten Wochen ist nun die Halskestraße im Hamburger Stadtteil Billbrook ihre neue Heimat. Ein Übergangswohnheim am Ende einer schier endlos langen Straße, hinter Schrottplätzen, Lagerhallen und Kleingartenkolonien. Wahrhaftig alles andere als idyllisch. Aber immer wieder versichern die Flüchtlinge, wie schön Hamburg doch sei, und manche sagen: „So gut haben wir noch niemals gewohnt, eine so große Wohnung...“

Sind alle Deutschen so nett?

Die große Wohnung besteht aus jeweils einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer für zwei bis drei Personen. Weißgestrichene Betten, ein Spind, ein Tisch, zwei Stühle. Einfach, sauber, zweckmäßig. Und vor allem nicht auf Dauer gedacht, denn möglichst schnell soll ja der Umzug in normale Sozialwohnungen stattfinden.