Der österreichische Gewerkschaftskongreß soll über Arbeitszeitverkürzung beschließen

Österreich soll ein Land des Urlaubs werden, nicht nur für die ausländischen Gäste, sondern auch für die Österreicher selbst. Wenn es nach den Wünschen von Alfred Dallinger, dem Vizepräsidenten des österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), geht, wird von 1981 an jeder unselbständig Beschäftigte in Österreich Anspruch auf mindestens fünf Wochen Urlaub im Jahr haben.

Eine Arbeitszeitverkürzung durch Verlängerung des Mindesturlaubsanspruches von vier auf fünf Wochen soll Mitte September dem großen Bundeskongreß des ÖGB als Forderung für die nächsten Jahre präsentiert werden.

Die Idee, mit einer Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit in den nächsten Jahren Arbeitsplätze sichern oder schaffen zu können – von der Bundesrepublik her über Österreichs Grenzen gedrungen –, ist in der Alpenrepublik von Anfang an mit Skepsis aufgenommen worden. Zwar gibt es im Regierungslager einige junge Wirtschaftsdenker, die für diese Lösung werben, unter den Gewerkschaftern war aber immer Zurückhaltung zu spüren.

ÖGB-Präsident Benya ließ die Kollegen der Gewerkschaft wissen, daß die 35-Stunden-Woche für ihn vorläufig kein Diskussionspunkt ist, und das Gewerkschaftsvolk zeigte Besonnenheit. Für Benya sind auf dem bevorstehenden ÖGB-Kongreß andere Punkte dringlicher: „Die wichtigsten Fragen werden die Weiterentwicklung der Wirtschaft und das Wirtschaftswachstum sein. Darüber hinaus muß versucht werden, die Preise im Griff zu halten.“

Der Vorstoß des ÖGB-Vize Dallinger in Sachen Urlaubsverlängerung dürfte auch für den obersten Gewerkschaftsboß sehr überraschend gekommen sein. Und seine Reaktion war daher auch sehr zurückhaltend: „Das muß alles diskutiert werden.“

Dabei hat Dallinger mit seinen Urlaubsplänen im Gewerkschaftsbund selbst prominente Unterstützung bekommen. An demselben Tag, da Dallinger, Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft, mit seinen Vorstellungen an die Öffentlichkeit ging, machte auch ein anderer Gewerkschaftsboß öffentlich Urlaubspläne. Karl Sekanina, Chef der Gewerkschaft der Metallarbeiter, war zum gleichen Denkergebnis gekommen.