Die Bezirksleitung der IG Metall in Stuttgart macht wieder einmal von sich reden. Sie fragte die Metallarbeiter in Baden-Württemberg nach ihrer Situation am Arbeitsplatz und zu Hause. Die Ergebnisse der Untersuchung, die der Stuttgarter Bezirksleiter Franz Steinkühler in dieser Woche bekanntgab, sollen Anhaltspunkte für die gewerkschaftliche Arbeit und für neue Konzepte zur Verbesserung der Arbeitswelt geben.

Fast ein Drittel der Metallarbeiter in Baden-Württemberg empfindet den Arbeitstag als „sehr belastend“. Gut zwei Drittel klagen über Leistungsdruck, und mehr als die Hälfte der befragten Metaller fühlt sich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe, abgeschlafft oder gar krank.

Angelaufen war die „Aktion ’79 – Werktage müssen menschlicher werden“ im Mai dieses Jahres. 386 000 Fragebogen mit rund dreißig Fragen zu Arbeitsbedingungen und häuslicher Situation wurden an die Metaller im Ländle ausgegeben. Knapp hunderttausend Bogen aus fünfhundert Betrieben sind inzwischen ausgefüllt und ausgewertet worden.

Die Ergebnisse bieten genügend Stoff für neue gewerkschaftliche Aktivitäten. Noch mehr als bisher sollen die Schwerpunkte der künftigen Arbeit nach den Worten Steinkühlers bei den besonderen Problemgruppen, Schichtarbeitern und Frauen liegen. Nicht nur am Arbeitsplatz („Schichtarbeit können wir nicht abschaffen“), auch im außerbetrieblichen Bereich will sich die IG Metall Gedanken über Lösungsmöglichkeiten für Schwierigkeiten der Arbeitnehmer machen.

Aus der Umfrage geht beispielsweise hervor, daß mehr als die Hälfte der Schichtarbeiter (53,6 Prozent) nicht ungestört schlafen kann. 35 Prozent fühlen sich durch Lärm beim Schlaf gestört. In ihrem Freizeitverhalten sind sie passiver als „normale“ Arbeitnehmer. Sie lesen weniger, besuchen seltener kulturelle Veranstaltungen und verbringen weniger Zeit mit Sport oder anderen Hobbys.

Aber auch ihre Arbeitsbedingungen beurteilen sie deutlich schlechter als „Nicht-Schichtarbeiter“. Nur 14,6 Prozent der Schichtler nennen ihre Arbeitsbedingungen „gut“, 54,5 Prozent „zufriedenstellend“.

Ihre im normalen Tagesrhythmus arbeitenden Kollegen sehen ihre Situation positiver: 18,9 Prozent bezeichnen die Arbeitsbedingungen als „gut“, 59,4 Prozent immerhin als „zufriedenstellend“.