Hannover

Aus den alten, verfilzten Wollsocken läßt sich der Sand nicht mehr herauswaschen. Die muffigen Schuhe gehen als „Fußpilz-Agenten“ von Mann zu Mann. Sogar die Ärztin bezweifelt, daß da noch Hygiene oder gar Wohlbefinden möglich ist.

Die Bettwäsche ist nicht selten fadenscheinig und zerschlissen, und in die Kleidung paßt nur einer, der das Idealmaß hat. Groß, klein, dünn oder fällig – für alle gibt’s nur Hosen der Größe 42. Aus Wolfenbüttels Gefängnis klang es den niedersächsischen Abgeordneten entgegen, als hätten sie eine Klagemauer zum Sprechen gebracht. Wolfenbüttel, das heißt für die meisten Gefangenen „Strafverschärfung“. Wer dorthin verdonnert wird, bekommt „eine Stinkwut auf die da draußen“.

Bei einer Besichtigung dieser Justizvollzugsanstalt hat der Unterausschuß Strafvollzug des niedersächsischen Landtags Einzelheiten notiert, die sich wie ein Schauermärchen lesen. Das Gefängnis ist bis an die sinnvolle Grenze belegt, das Personal überlastet. Die Gebäude sind in einem Zustand, den Bau- und Feuerpolizei eigentlich nicht erlauben. Die Bediensteten haben zum größten Teil Sicherheitsaufgaben zu erfüllen, um die Gefangenen können sie sich kaum noch kümmern. Sozialarbeiter fehlen, und der Anstaltspsychologe muß nebenbei noch unterrichten. In Wolfenbüttel, so sagt es ein Abgeordneter, „sind die Anforderungen des Strafvollzugsgesetzes nicht zu erfüllen“.

Von den 393 Haftplätzen waren im vergangenen Jahr im Durchschnitt 376 belegt. Neben den 110 Aufsichtsbeamten gehört ein Arzt zum Personal, ein Psychologe, ein Theologe, vier Sozialarbeiter und die Verwaltung. In manchen Häusern der Anstalt sind nur drei Beamte eingesetzt, für 150 Gefangene. Zuweilen ist die Personalnot so drückend, daß Gefangene aus anderen Räumen nicht in ihre Zelle zurück oder diese verlassen können, weil niemand da ist, die Türen zu verschließen.

Die Situation in Wolfenbüttel läßt nur eine oberflächliche Betreuung zu Mindestens ebenso bedenklich ist der Zustand der Gebäude. Zwei Drittel der wenigen Freizeiträume liegen im Keller. Das läßt die Bauordnung eigentlich auf Dauer nicht zu. Die Feuerpolizei hätte überdies schon das Haus 1 des Gefängnisses schließen müssen. Sein bretterverkleideter Dachaufbau könnte Mittelpunkt eines Großbrandes werden.

Das Protokoll der Parlamentarier faßt für Wolfenbüttel Erfahrungen zusammen, die auch für andere Haftanstalten gelten.