Von Wolfgang Hoffmann

Die Verwirrung in Bonn über Fragen der Kernenergie ist komplett. Der besorgte und verunsicherte Bürger – sei er nun für oder gegen Atomstrom – kann die Entwicklung kaum mehr nachvollziehen.

Kaum zeichnet sich ab, daß es nach mühsamem Tauziehen gelingen wird, die Genossen auf dem SPD-Parteitag in Berlin davon abzuhalten, daß sie im Dezember „Atomkraft – Nein danke“ sagen, da bröckeln andernorts sicher geglaubte Fronten. Franz Josef Strauß, selbst einst Atomminister, heute Bayerns Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union, lehnt beispielsweise einen Beitrag Bayerns zu einem neuen Bonner Konzept zur Entsorgung der nuklearen Kraftwerke kategorisch ab.

Die strittige Frage ist, wie die Auflagen der Gerichte für die Bau- und Betriebsgenehmigung erfüllt werden können, daß die Beseitigung des in Kernkraftwerken anfallenden Atommülls sichergestellt sein muß.

Das Atomgesetz sieht vor: Radioaktive Reststoffe müssen entweder schadlos verwertet oder als radioaktiver Abfall geordnet beseitigt werden. Zu diesem Zweck müssen die Länder das bei ihnen anfallende Material in Sammelstellen Zwischenlagern. Danach hat der Bund die Verantwortung für die Endlagerung des Abfalls.

Bislang fehlt es an allem. Die schadlose Verwertung von Reststoffen steht noch aus. Zwischenlager der Länder gibt es nicht, ein Endlager des Bundes muß auch erst gebaut werden.

Noch ist der Mangel ohne Bedeutung. Die anfallenden Spaltstoffe können vorübergehend noch in Lagern direkt bei den Kraftwerken aufbewahrt werden. Überdies ist die Entsorgung für eine Weile durch Verträge mit Frankreich gesichert. Doch spätestens 1988 werden Zwischenlager benötigt.