Bald scheint es bittere Gewißheit: Die Inflationsrate in der Bundesrepublik Deutschland steuert auf die Fünf-Prozent-Schwelle zu. Aus dem volkreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurde Mitte August bereits ein Preisanstieg von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. In Baden-Württemberg lag sie noch bei 4,8 Prozent. Preistreiber sind vor allem die Energiekosten. Allein in Nordrhein-Westfalen verteuerte sich das Heizöl in einem Jahr um 103,4 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe stiegen die Lebenshaltungskosten im August nur um 3,9 Prozent.

Hoffnungen auf Verbilligungen bei der Energie bestehen dagegen vorerst nicht. Und das obwohl im ersten Halbjahr mehr Öl gefördert wurde denn je. Trotz politischer Unruhen und des Förderrückgangs im Iran nämlich erreichte die Welt-Ölförderung einen neuen Rekord. Nach Angaben des US-Fachblattes Oil and Gas Journal wurden in den ersten sechs Monaten 61,892 Millionen Barrel (je 159 Liter) gefördert. Im Vergleichszeitraum 1978 waren es nur 58,736 Millionen gewesen. Doch leider steigt auch die Nachfrage weltweit, so daß die Preise nicht unter Druck geraten.

Die teureren Ölimporte sind es im wesentlichen wohl auch, die den Überschuß in der deutschen Außenhandelsbilanz weiter schmelzen lassen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Juli Waren im Wert von 25,9 Milliarden Mark eingeführt und für 26,5 Milliarden ausgeführt; Der Überschuß schmolz auf 0,6 Milliarden.

Die Statistik bringt den Beweis: Die Deutschen nehmen es mit der Steuerehrlichkeit nicht sehr genau. Wie das Bundesfinanzministerium feststellte, betrug die Summe der hinterzogenen und leichtfertig verkürzten Besitz- und Verkehrssteuern, die den 1978 rechtskräftig abgeschlossenen Straf- und Bußgeldverfahren zugrunde liegt, rund 408 Millionen Mark. Die Hinterzieher und „Verkürzer“ wurden für ihre laxe Steuermoral insgesamt zu 373 Jahren, sieben Monaten und 21 Tagen Freiheitsstrafen verurteilt – so genau rechnen Statistiker.

ms