Bericht aus der neuen Klasse

Milovan Djilas, einst Titos engster Weggefährte und heute Jugoslawiens prominentester Dissident, hat neue Buchpläne. Der 68jährige Erfolgsautor („Die neue Klasse“, „Gespräche mit Stalin“), der in mehreren Memoirenbänden seinen Aufstieg als Kommunist, seine Gefängnishaft unter der königlichen Regierung und die Partisanenarbeit beschrieben hat, will nun seinen Ausstoß aus der neuen Klasse und seine Haftzeit in der Tito-Ära schildern. „Ich muß das schreiben, aber ich habe keine Eile“, hat der heute im Zentrum Belgrads lebende Staatspensionär westlichen Gesprächspartnern erklärt. In einem Punkt ist Djilas allerdings dem Denken Titos nahegeblieben: „Ich glaube nicht an die guten Absichten der Sowjetunion. Wenn sie ihre Militärmaschinerie stoppen würde, müßte sie zerfallen wie das türkische Reich.“

Souvenirs, Souvenirs

Der Besuch des Papstes Ende September in der Republik Irland hat bereits jetzt die Geschäftemacher mobilisiert. Nicht allein, daß schon Gedenkmünzen (das Stück zu 42 Mark), Erinnerungsplaketten (63 Mark) und Briefmarken (80 Mark) angeboten werden. In dem Anwesen Knock, wo sich ein Marienheiligtum befindet, wird auch „heiliges Wasser“ in Gläsern zum, Kauf offeriert. Es kostet nur zwischen. 50 Pfennig und einer Mark. Dennoch hat sich Bischof Edward Daly aus Londonderry empört: Die einzige offizielle Erinnerungsgabe werde ein Gebetbuch sein. Kostenpunkt: vier Mark.

Hunger im Überfluß

Obwohl in Asien überall in diesem Jahr Reis-Rekordernten eingefahren werden, wird weiter gehungert. Der Grund: Verteilungsprobleme, vor allem aber Schwierigkeiten mit der Preispolitik. Denn mittlerweile liegen die Produktionskosten mit 280 bis 300 Dollar weit über dem Weltmarktpreis von 220 Dollar pro Tonne. Die Bauern wollen aber nicht unter Preis verkaufen, weder im eigenen Lande noch an die Lebensmittel-Habenichtse der Dritten Welt. Dennoch steigt die Produktion stetig: Von 300 Millionen Tonnen weltweit im Jahre 1970 auf 375 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Für 1985 wird mit 435 Millionen Tonnen gerechnet. Der philippinische Präsident Marcos hat den Industriestaaten deshalb ein neuartiges Dreiecksgeschäft vorgeschlagen: Sie sollen den ärmsten Ländern Entwicklungshilfekredite zur Verfügung stellen, damit sie bei den Überschußproduzenten in der Dritten Welt Reis einkaufen können. Das wäre, so meint Marcos, Hilfe und Entlastung für alle.

Der erste private Bus