Steigende Zinsen auf dem Rentenmarkt. Die jüngste 7 1/2prozentige Anleihe des Bundes wird wenige Tage nach ihrer Börseneinführung schon unter ihrem Emissionskurs notiert. Das sind keine Alarmzeichen, sondern lediglich die Folgen einer vorangegangenen Zinssenkung, die im Grunde nicht auf der Linie der Notenbankpölitik lag. Die rückläufigen Zinsen hatten sich zwangsläufig, aus der zeitweise lebhaften Nachfrage des Auslandes nach deutschen festverzinslichen Titeln ergeben. Die Konditionen der letzten Bundesanleihe waren auf diese Sondersituation zugeschnitten gewesen; jetzt – da kaum noch Ausländer kaufen – sind sie nicht mehr marktgerecht.’ Leidtragende sind weniger die Bankkunden als die Banken selbst, die noch auf beträchtliche Posten dieser unverkäuflichen Emission hocken. Die eigentliche Privatkundschaft hat den 7 1/2prozentigen Nominalzins von vornherein nicht akzeptiert, zumal für sie zur gleichen Zeit bessere Anlagemöglichkeiten bestanden und auch heute noch bestehen. Der deutsche Wertpapiersparer will den Achtprozenter, sonst hält er seine Taschen zu.

Kein Wunder, wenn der Absatz festverzinslicher Papiere ins Stocken geraten ist. Denn auch die institutionellen Anleger (Rentenfonds und Versicherungen) glauben sich nicht mehr unter Anlagezwang, sondern zögern mit neuen Dispositionen. Am ehesten können das noch die Realkreditinstitute vertragen. Sie brauchen nicht unbedingt neue Papiere zu plazieren, für die auf der Gegenseite ohnehin nur schwer Darlehen zu plazieren sind. Für eine generelle Rückbildung des gegenwärtigen Kapitalmarktzinses ist die Zeit noch nicht reif. Es ist sogar gut möglich, daß die Folge einer sich in diesem Herbst möglicherweise einstellenden weiteren Geldmarktverklemmung die Rentenrenditen im Bereich der kürzeren Laufzeiten noch einmal anziehen werden.

Mit Spannung warten die Börsianer jetzt auf die nächste öffentliche Anleihe. Ihre Rendite müßte vernünftigerweise, wenn sie eine Laufzeit von zehn Jahren haben soll, bei 7,75 bis 7,80 Prozent liegen und nicht bei 7,57 Prozent wie bei der letzten Bundesanleihe. Doch ist längst nicht sicher, ob eine neue Emission, wenn sie nicht als Achtprozenter kommt, überhaupt vom Markt akzeptiert werden wird. Banken, die nicht darauf angewiesen sind, Bundesanleihen absetzen zu müssen, raten ihrer Kundschaft zur Anlage ihrer Mittel als Festgeld.

Steigende Rentenkurse kann es nach Lage der Dinge nur geben, wenn die Ausländer an den deutschen Rentenmarkt zurückkehren sollten. Die Hoffnungen darauf dürfen nicht allzu hoch geschraubt werden, denn die USA üben zur Zeit auf das internationale Kapital eine ungleich stärkere Anziehungskraft aus als die Bundesrepublik. Das ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die strenge Anti-Inflationspolitik des neuen Notenbank-Chefs Paul Volcker. Kann er sie lange genug durchhalten, muß sie zum Abbau der heute zweistelligen Inflationsraten in den USA führen – allerdings unter Inkaufnahme einer spürbaren Rezession, wie sie sich eigentlich kein amerikanischer Präsident im Wahljahr leisten kann. Doch solange Volcker der Inflationsbekämpfung den Vorrang gibt und die Zinsen hochhält, fließt das Geld in den auf diese Weise stabilisierten Dollar.

Aber nicht nur die offenen Fragen der künftigen amerikanischen Wirtschaftspolitik verunsichern die internationalen Kapitalmärkte, irritiert werden sie auch durch die wieder ausgebrochene Gold-Hausse, die ganz offensichtlich auf Goldkäufe reicher Ölförderländer zurückgeht. Es gibt aber auch Gerüchte, wonach die Sowjets Gold kaufen sollen, um seinen Preis zu manipulieren. Ihre zusätzlichen Getreidekäufe werden sie zwingen, demnächst wieder Gold an den Markt zu geben. Daß sie hierfür einen möglichst hohen Preis erzielen wollen, ist nur zu verständlich.

Die geringe Attraktivität von Anlagen in Mark macht sich auch bei den Auslandsanleihen bemerkbar. Es fällt schwer, das bereits reduzierte Volumen neuer Emissionen unterzubringen. Wegen ihrer besseren Fungibilität ziehen die spekulativ desanleihen vor, auch wenn ihnen dort die Zinsen durch die Kuponsteuer um 30 Prozent gekürzt werden.

Natürlich ist für das abgekühlte Klima am deutschen Rentenmarkt auch die Bundesbank verantwortlich. Die über die Einschränkung der Lombard-Kredite eingeengte Manövrierfähigkeit des Bankengewerbes muß sich zwangsläufig bei den festverzinslichen Papieren niederschlagen. Als „freiwillige“ Käufer sind die Banken am Rentenmarkt praktisch ausgefallen. Sie liegen jetzt eher auf der Abgeberseite, um sich Mittel für das Kreditgeschäft zu beschaffen. Wie prekär die Situation sein muß, wird an ihren Verkäufen der neuen Bundesanleihe deutlich, die nicht nur zum Verlust der den Kreditinstituten eingeräumten Bonifikation führen, sondern obendrein noch ein schlechtes Licht auf die Plazierungskraft des abgebenden Instituts wirft. Aber es scheint auch im Kreditgewerbe Situationen zu geben, in denen man auf den guten Ruf nicht sonderlich Rücksicht nehmen kann. Kurt Wendt