Verschüttelt

„Moonraker – Streng geheim“ von Lewis Gilbert. Den Martini-Wodka liebt er sehr trocken – geschüttelt, nicht gerührt: Geheimagent James Bond 007 („James für meine Freunde“). Der Bond-Spezial wird dem Kinozuschauer seit siebzehn Jahren kredenzt. Er besteht aus süßen Martini-Marionetten (einem ältlichen Playboy-Spion samt seinen Playmates, die von ihm so oder so aufs Kreuz gelegt werden) und einem bösen Wodka-Wicht (der für drohenden Weltuntergangs-Kater zu sorgen hat). Bei stets gleicher Mixtur kommt es aufs Schütteln an, im Mixerjargon „Bonding“ genannt. Der Erzschuft ist diesmal ein Raumfahrt-Industrieller mit entfernter Nixon-Ähnlichkeit (Michel Lonsdale), der die Menschheit durch Nervengas vernichten will, um auf einer Zuchtstation im Weltall eine neue Herrenrasse zu schaffen. Das Arsenal absurd-ingeniöser Pseudo-Erfindungen ist noch ausgefallener als zuvor, die Dekors sind noch extravaganter, die Stunts und Spezialeffekte noch spektakulärer. Seit den Zeiten Sean Connerys sind die charakteristischen drei „S“ (Sadismus, Sex, Snobismus) dieses Kino-Longdrinks jedoch zunehmend sanfter geraten. Um so auffallender wurde dafür die Banden-Reklame (Seiko-Uhren, Marlboro, 7Up). Beim bislang teuersten Bond (25 Millionen Dollar) schien es wohl angeraten. Produzent Albert R. Broccoli dürfte diese unverfrorene Konsumartikel-Werbung wohl als Selbstironie bezeichnen. Doch im Grunde haben beim elften Bonding, dem vierten mit Roger Moore, die Mixer – Regisseur Gilbert („Der Spion, der mich liebte“) und Autor Christopher Wood – nur etwas zu kräftig geschüttelt. Das meiste spritzt aus dem Glas und landet auf der Theke: zur Freude aller Wirte. Der betrogene Gast darf aufs nächste Getränk warten.

Helmut W. Banz

Mittelmäßig

„Die 39 Stufen“ von Don Sharp, nach den Versionen von Alfred Hitchcock (1935) und Ralph Thomas (1959) nun schon die dritte Verfilmung von John Buchans klassischem britischen Spionage-Thriller. Anders als Hitchock, der den Roman nur als Ausgangspunkt eines virtuosen, ironischen Spiels mit diversen doppelten Böden benutzte, hält sich Don Sharp (der immerhin den schönen Horrorfilm „Der Kuß des Vampirs“, 1962, gedreht hat) wieder enger an die literarische Vorlage. So entstand ein routiniertes Verfolgungsdrama, in dem der Ken-Russel-Star Robert Powell („Mahler“) als von deutschen Geheimagenten 1914 quer durch England gejagter Held wider Willen arg fehlbesetzt wirkt.

Hans C. Blumenberg

Ärgerlich