Von Jes Rau

Man muß nicht so viel Gold besitzen wie Dagobert Duck, dem im Reich der comic strips wohnhaften reichen Onkel von Donald Duck, um über die derzeitige Entwicklung des Goldpreises in Ekstase zu geraten: Kurzfristig erreichte der Preis des gelben Metall bereichte die schwindelnde Höhe von 340 Dollar, Wer mit Goldmünzen, Goldbarren oder Goldzertifikaten unter dem Kopfkissen zu Bett geht, der wacht derzeit mit dem schönen Gefühl auf, daß der Wert seines Goldschatzes sich seit Jahresanfang um fast fünfzig Prozent erhöht hat.

Gold im Mund hatte insbesondere jene Morgenstund’ in der vergangenen Woche, in der der Goldpreis schlagartig um 14 Dollar nach oben ging – so etwas hat es so weit die Erinnerung reicht noch nie gegeben.

Natürlich kann es, wie auf der Achterbahn, mit dem Goldpreis genauso schnell nach unten gehen, wie es hoch ging. Und es fehlt auch nicht an Experten, die auf den "spekulativen Charakter" des derzeitigen Goldfiebers hinweisen und den Anlegern den Ratschlag geben, einen Teil ihres Goldes jetzt zu verkaufen.

Solche klugen Mahnungen zur Vorsicht begleiten freilich den Weg des Goldpreises, seit er eine "Schallmauer" nach der anderen durchbricht: Erst 100 Dollar, dann 200 Dollar und erst kürzlich 300 Dollar. Jedesmal hieß es: Bis hierher und nicht weiter. Derartige Fehlprognosen haben dazu beigetragen, Goldgurus wie Franz Pick und anderen noch mehr Glaubwürdigkeit zu geben. Schließlich hat sich erfüllt, was sie seit langem predigen: Die Goldpreisentwicklung hat sich – abgesehen von dem scharfen Einbruch 1974 – als eine Einbahnstraße nach oben erwiesen.

Auslöser des derzeitigen Booms war die jüngste Goldversteigerung des Internationalen Währungsfonds (IWF): Als die Nachricht über die Ticker kam, daß die beachtliche Menge von 400 000 Unzen aus den Tresoren des IWF zu einem Rekordpreis von durchschnittlich 333,24 Dollar pro Unze verkauft wurde, war auf den internationalen Geldmärkten zwischen Zürich und Hongkong der Teufel los.

Für zusätzliche Aufregung sorgten daß der "Mr. Goldfinger" dieser Tage – Hans Joachim Schreiber, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank – wieder als massiver Aufkäufer unterwegs sei, und zwar im Auftrag von Kunden im Nahen Osten. Die Dresdner Bank, die bei der letzten Goldauktion des US-Schatzamtes 720 000 der angebotenen 750 000 Unzen ersteigerte, ist auf dem besten Weg, zur bedeutend- – sten internationalen Goldhandelsbank aufzusteigen.