Dieser nachgereichten Korrekturliste (sie ist erst mehrere Jahre später überhaupt bekannt geworden) haften etliche Merkwürdigkeiten an. Derjenige, der die angeblich schwer lesbaren Stenogramme übertragen hat, also doch wohl Professor Arnd Jessen, soll "Kunsthistoriker" statt "Zeitkritiker", "Hinterer Orient" statt "Ferner Osten", "September" statt "November" gelesen haben.

Stenographen, die noch die "Gabelsberger" beherrschen, wissen sich auf diese Verwechslungen keinen Vers zu machen; die Zeichen sind zu verschieden. Vollends unbegreiflich ist der folgende, Krieger zugeschriebene Hinweis: Statt "des ersten Weltkrieges" (von dem Hitler ja 1931, acht Jahre vor dem Beginn des zweiten, schlechterdings nicht geredet haben konnte) habe es vermutlich heißen sollen: "des entsetzlichen Weltkrieges" – ein Stenograph würde aber für "ersten" die Ziffer 1 verwenden. Und wie ist eigentlich aus den Worten "Volkszeitung (auf Kurs der Kommunisten)" der wörtlich und sachlich andersgeartete Titel "kommunistische Volkszeitung" geworden?

Das sieht ganz nach einem Versuch aus, zu spät bemerkte sachliche Schnitzer, die weder Hitler noch Breiting unterlaufen wären, als Übertragungsfehler zu deklarieren. Nur die Originale könnten dieses Rätsel lösen helfen, doch sie schlummern unerreichbar in der DDR.

Der Gutachter Krieger hat, seinem Gutachten zufolge, Originalstenogramme gesehen. Demjenigen aber, der sie am besten auf ihre Echtheit hätte prüfen können, weil er beim Gespräch zwischen Hitler und Breiting dabei gewesen war, nämlich dem Journalisten Alfred Detig, hatten Calic und Schneider-Breiting die Originale gar nicht erst mitgebracht, als sie im Juli 1968 ungebeten in sein Haus kamen. Ihr Versprechen, sie ihm später vorzulegen, haben sie nicht eingehalten.

Nach all diesen erdrückenden Indizien läßt sich sagen: Das von Edouard Calic herausgegebene Buch "Ohne Maske" ist eine der unverfrorensten Geschichtsfälschungen dieses Jahrhunderts.

Die Frage "cui bono?", die sich ein quellenkritischer Forscher (oder Kriminalist) bei jedem Fälschungsverdacht stellen muß, hat schon der britische Professor Trevor-Roper beantwortet. Er wurde stutzig, als er in dem Buch auf eine Schmährede Hitlers gegen den Reichstag stieß, der – so Calics "Hitler" – "ein außerordentlich häßliches Gebäude" sei. In den Memoiren von Albert Speer, dem Architekten Hitlers, steht aber das Gegenteil: Der "Wallot-Bau" gefiel Hitler so sehr, daß er bei dem geplanten Umbau der Reichshauptstadt erhalten bleiben sollte – als Repräsentationshalle für gesellschaftliche Zwecke. Daneben sollte dann ein riesiger neuer Reichtag entstehen. In Calics Buch aber redet Hitler ganz anders über den Reichtag:

"Das Gebäude wie auch die Institution, die es beherbergt, sind eine Schande für das deutsche Volk. Sie müssen eines Tages verschwinden. Je früher man diese Schwatzbude verbrennt (1), desto früher wird das deutsche Volk von fremden Einflüssen befreit sein."