Berlin (DDR)

Da war ein solcher Rummel vor und nach jeder Sendung in unseren Zeitungen, dauernd wurde im Rundfunk darauf hingewiesen, daß ich mir gedacht habe: Das mußt du dir auf gar keinen Fall ansehen!“ sagte eine junge Frau in Ost-Berlin. Sie meinte den amerikanisch-sowjetischen Film über den Zweiten Weltkrieg, der unter dem Titel „Die entscheidende Front“ in zwanzig Folgen vom DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Kürzlich wurde er vom Westdeutschen Rundfunk gekauft, 1980 soll er auch in der Bundesrepublik gezeigt werden.

In der DDR lief die amerikanisch-sowjetische Ko-Produktion gleich zweimal. Zuerst eine Fassung in russischer Sprache als „Der große vaterländische Krieg“; wie es heißt, für DDR-Bürger, die ihre Russisch-Kenntnisse auffrischen wollten, aber wohl eher für die in der DDR stationierten Soldaten. Während noch die beiden letzten Folgen in Russisch ausstanden, liefen bereits die ersten Folgen in deutscher Sprache.

Jede Folge wurde begleitet von lobpreisenden Artikeln in DDR-Zeitungen, angereichert durch Interviews, zum Beispiel mit jenem DDR-Schauspieler, der den amerikanischen Kommentator Burt Lancaster synchronisierte, oder mit einem der sowjetischen Kameramänner, aus deren Filmen von der Front der Stab um Roman Karmen die Fernsehserie zusammengestellt hat. Leserbriefe wurden abgedruckt, die die Serie in offiziösem Ton bejubelten: „Die Filmreihe hat mich tief beeindruckt“, schrieb ein Leser im Neuen Deutschland, „man sah, wie schwer es das sowjetische Volk gehabt hat, sein Land vom Faschismus zu befreien ... Für mich selbst ziehe ich den Schluß, als Soldat der Nationalen Volksarmee mein Leben und meine Kraft einzusetzen, um den Sozialismus und den Frieden zu schützen.“

Solche Propagandatöne erreichen beim DDR-Normalbürger das Gegenteil dessen, was sie erreichen sollen. Sie schrecken ihn, der mit offiziellen Kampagnen übersättigt ist, eher ab. „Dabei war es in diesem Fall schade“, meinte ein Jugendlicher, „ich habe nur eine Folge gesehen, aber die gefiel mir ganz gut, vor allem die Originalfilme. Da war sicher eine Menge Bildmaterial aus dem Zweiten Weltkrieg, das wir noch nicht kennen. Trotzdem – irgendwie kam es mir wie Pflichtpensum vor. Das ist, als wenn man in der Schule Gorkis ‚Mutter‘ lesen muß. Ein fabelhaftes Buch, aber weil es Pflicht ist, mag man es nicht.“

Einer, der alle Folgen gesehen hatte, fand: „Aufregende Bilder waren darunter. So sehr aus der Nähe, daß man das beklemmende Gefühl nicht loswurde, daß die Kameramänner nach den Filmen nicht mehr lange, gelebt haben. Der Kommentar war mir manchmal zu sentimental.

Ein Rentner zeigte Verständnis für das Pathos „Na schön, vielleicht war es ein bißchen zu pro-sowjetisch, aber schließlich haben die ja auch im letzten Krieg ganz schön herhalten müssen. Und die russischen Soldaten waren wirklich sehr tapfer. Es war nur zu viel, was da gezeigt wurde, immer wieder dasselbe und immer wieder dasselbe Vier Folgen hätten auch gereicht.“