Eine Zeitschrift will junge Unternehmer auf Chancen und Marktlücken hinweisen

Profitable Ideen gibt es viele, wenige aber werden auch zu Geld. Norman Rentrop aus Bonn, an Jahren gerade noch ein Twen, ist auf dem besten Weg sich zu erfüllen, was er anderen mit allerlei Ideen empfiehlt: "Arbeiten Sie endlich in die eigene Tasche."

Rentrop tut das nun schon seit drei Jahren recht originell. In breitgestreuten Kleinanzeigen lockt er Inserentenleser mit der Devise "Unternehmer sein, lohnt sich wieder" und "Als Angestellter werden Sie nie ein Vermögen machen, aber vielleicht als Selbständiger". Zweck der verheißungsvollen Lockung: Die Anzeigen sollen zum Kauf einer Zweimonatsschrift animieren, die Rentrop unter dem Titel "die geschäftsidee" vertreibt.

Was Rentrop für 127,20 Mark im Jahr verkauft, ist eine Art Lebens- und Berufshilfe. Die Zeitschrift soll all jenen Bundesbürgern auf die Sprünge helfen, die sich selbständig machen wollen, jedoch oft nicht wissen wie. Zwar offerieren Bundesregierung und Banken günstige Existenzgründungs-Darlehen, Kammern und Verbände bieten gleichfalls allerlei lohnende Tips, nach Meinung von Rentrop reicht das freilich nicht, um Boß in der eigenen Firma zu werden. Rentrop: "Vielen fehlt nicht so sehr das Kapital als vielmehr die Marktübersicht, ob und wo es sich lohnt, ein eigenes Unternehmen zu gründen."

Um solche Probleme zu lösen, kam der Jungunternehmer, der als Verlag Norman Rentrop firmiert, auf die naheliegende Geschäftsidee, einen Spezialservice mit Berichten über "lukrative Kleinunternehmen" herauszugeben, die sich mit geringem Kapital – von 5000 bis 100 000 Mark – starten ließen. Auf fünfzig bis sechzig Seiten im DIN-A 4-Format berichtet das Blatt über Marktlücken für neue Unternehmensgründungen und bietet sogleich konkrete Unternehmenskonzepte für Abonnenten an, die sich als freie Unternehmer beweisen möchten. Rentrops Konzepte und Rezepte sagen, wie man ein Geschäft anpacken muß, sie schildern die Marktlage, Gewinnaussichten, Betriebsformen, geben Auskunft über Standortfaktoren, Kriterien zur Personalauswahl und empfehlen zugleich solche Firmen, die als Zulieferanten in Frage kommen, um die Rentropschen Rezepte zu realisieren.

Der neueste Unternehmer-Hit, der in der Oktoberausgabe der "geschäftsidee" kreiert wird: Amerikanische Eisdielen. Zwar gibt es in der Bundesrepublik bereits über 3000 italienische Eisdielen, Rentrop indes ist überzeugt, die Marktreserven seien groß genug, um auch noch mit Eisdielen nach US-Style zu reüssieren. Während die Amerikaner 24 Liter Eis pro Kopf und Jahr konsumieren, sind die Bundesbürger gerade erst bei sechs Liter angelangt. Überdies meint der geschäftige Verleger, das amerikanische Eis empfehle sich, weil es dem Trend nach höherwertigem Speiseeis entgegenkomme. US-Eis ist fetter und sahniger als das, was die Italiener bisher zum Schlecken bieten. Last not least sind die amerikanischen Eiskugeln größer, sie ließen sich mithin auch teurer verkaufen. An Einzelbeispielen werden die Marktchancen für US-Dielen aufgezeigt. Höchster Gewinn vor Steuern: 125 000 Mark im Jahr.

Alle Geschäftsideen, die Rentrop seit nunmehr rund drei Jahren im Abonnement vertreibt, sind bereits irgendwo erfolgreich geprobt worden, insbesondere in den Vereinigten Staaten, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aus dem Rentrop sich einen großen Teil seiner Angebote entliehen hat. Nicht zuletzt auch die eigene Idee, Unternehmenskonzepte in Zeitschriftenform gegen Geld zu verhökern. In leicht verständlichem Plauderton vermittelte das Blatt schon, wie man Tanzschulen aufbaut, Spezialautowerkstätten gründet, Geschäfte mit Öl-Porträts macht, die in Hongkong billig gemalt, dann in Deutschland teuer verkauft werden. Sicheres Geld bringen sollen auch Spielhallen, Teppichreinigungen, Salatrestaurants. Lukrative Einnahmen versprechen selbst so banale Selbständigentätigkeiten wie die Firma zur Pflege von Parkplätzen oder der Job als Prospektverteil-Agentur. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die ungeahnte Wirkung haben. So berichtete Rentrops Blatt von einer 30prozentigen Umsatzsteigerung eines US-Reifenhändlers, der sich Schüler und Studenten anheuerte, die auf Parkplätzen an Autos mit schlechten Reifen Werbezettel hefteten.