Dann und wann läßt Rentrop auch durchblicken, wie man Steuern spart. Im Zusammenhang mit dem Firmenkonzept "Ausstellungsveranstalter" berichtet "die geschäftsidee", daß es Unternehmer gibt, die den Finanzämtern höchst unvollständige Angaben über die Anzahl der verkauften Eintrittskarten machen. Da ist von Freikarten an Schüler, Vereine und so weiter die Rede, was von den Finanzämtern dann nur schwer nachprüfbar ist, wenn die Eintrittskarten nicht laufend numeriert sind. So lassen sich dann gefahrlos Steuern verkürzen.

Alle Konzepte, die der Verleger mit seiner Vier-Mann-Redaktion vertreibt, sind – so wird beteuert – mit äußerster Sorgfalt ermittelt und geprüft. Gleichwohl sichert sich Rentrop dagegen ab, daß man ihn etwa zum Ersatz des Schadens haftbar macht, sollte sich jemand bei der Verwirklichung der Rentropschen Geschäftsideen Verluste statt Gewinne eingehandelt haben. Im Impressum der "geschäftsidee" steht schwarz auf weiß: "Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden." Überdies wird bei "Übertragung der Informationen auf die persönliche Situation des Abonnenten" angeraten, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte oder Unternehmensberater hinzuzuziehen.

Über die Bezieher der Zeitschrift schweigt sich der Verlag im übrigen aus. Rentrops Mitarbeiter Christian Sachse läßt nur durchblicken, daß auch große Unternehmen das Blatt mit den Geschäftsideen beziehen, um ja keine Möglichkeit zur Diversifizierung ihrer Produktenpalette zu versäumen. Über die Erfolgserlebnisse der Abonnenten weiß der Verlag nur wenig zu berichten. Denn der Rücklauf von Erfolgsmeldungen sei sehr gering, bekennt Sachse. Wenn das Blatt mal in einer sogenannten "Success Story" zu berichten weiß, ein Abonnent habe mit einer Geschäftsidee von Rentrop 100 000 Mark im Jahr gemacht, so ist das nicht nachprüfbar. Die Redaktion hat den Namen des Betroffenen nämlich auf dessen Wunsch geändert. Daß jemand mit Erfolg sich nicht dazu bekennt, ist zumindest ungewöhnlich.

Verschwiegenheit aber wird auch ansonsten bei Rentrop großgeschrieben. Über die Anzahl der Abonnenten, die sechsmal im Jahr für 127,20 Mark "die geschäftsidee" kaufen, wird Stillschweigen gewahrt. Etwas salopp lassen die Rentrop-Mitarbeiter lediglich wissen, die Auflage liege noch weit unter 50 000.

Geheimnisvoll tut Verleger Rentrop auch gegenüber seinen Lesern. Das Impressum verlangt resolut: "Der Inhalt ist vertraulich und nur für den Empfänger bestimmt. Abonnenten sind vertraglich verpflichtet, die Informationen wegen Eigeninteressen des Herausgebers nicht im Großraum Bonn zu verwerten."

Solche Bestimmungen sollen wohl dem Zweck dienen, die Kundschaft von Rentrop in dem Glauben zu wiegen, sie kaufe eine ganz besondere Ware, in Wirklichkeit steckt da allerdings nur Wichtigtuerei hinter. Auch ist nur schwer vorstellbar, daß sich je ein Richter findet, der einem Unternehmer im Großraum Bonn das Handwerk stillegt, nur weil er als Abonnent von Rentrop dessen Geschäftsideen für bare Münze genommen hat. Wolfgang Hoffmann