DIE ZEIT

Große Koalition

Die Bonner Gipfelkonferenzen, die regelmäßigen Zusammenkünfte des Bundeskanzlers mit den Ministerpräsidenten der Länder, haben sich über die Jahre hinweg als enorm resistent gegen die um sich greifende Behauptung erwiesen, moderne Staaten, auch die Bundesrepublik, würden allmählich unregierbar.

Der Krisenstümper im Weißen Haus

Jimmy Carter hat die Mini-Krise um Kuba gehandhabt wie ein blutiger Anfänger. Nur eines läßt sich zu seinem Gunsten sagen: Er widerstand der Versuchung, die Enttarnung einer sowjetischen Brigade auf Castros Insel mit einer zweiten Landung in der Schweinebucht oder mit einem ungebremsten Rückfall in den Kalten Krieg zu beantworten.

Einer mußte vom Schlitten

Vielleicht gehören die Wahlbürger, die bis gestern noch glaubten, das Wort Solidarität sei in der deutschen Parteienlandschaft weitgehend identisch mit Sozialdemokratie, schon lange zu den politisch Naiven in der Bundesrepublik.

Verlierer Arm in Arm

Zwei Sieger, zwei Verlierer und eine unerwartete Festlegung – das ist das Ergebnis der Kommunalwahlen von Nordrhein-Westfalen.

Worte der Woche

"Das Schiff driftet weiter nach links, der Kapitän schaut mit Prinz-Heinrich-Mütze zum rechten Bullauge hinaus. Unser Gegner ist die SPD, deren linker Flügel uns einen nahtlosen Übergang zu den Kommunisten täglich vor Augen führt.

Zeitspiegel

Amerikas Präsident Jimmy Carter ist offensichtlich nicht der einzige in der Familie, der mit Rückschlägen zu tun hat. Auch Carters Schwester, die Evangelistin Ruth Carter Stapleton, ist in Bedrängnis geraten.

Labour-Parteitag: Der linke Rebell vom Dienst

Britische Außenminister sind nach alter Mär vor allem von einer Gefahr bedroht daß sie, wenn sie von Downing Street ins Unterhaus wollen, unter einen Bus geraten, der Whitehall entlangfährt.

Havemanns gefährlicher Traum

Robert Havemann hat es als erster gewagt. Nachdem am 1. August das verschärfte Strafrecht der DDR in Kraft getreten war, verstummten die Regimekritiker in der DDR erst einmal.

Umweltschutz: Ein Gesetz im Gestrüpp

An guten Vorsätzen hat es nicht gefehlt, ein "großer Wurf" sollte es werden: Das Kabinett wollte mit Hilfe eines Chemikaliengesetzes eine Lücke in der Umweltpolitik schließen.

Dreißig Jahre Volksrepublik China: Neuer Kurs mit alten Köpfen

Gleich alt sind sie, die ungleichen kommunistischen Bruderstaaten DDR und die Volksrepublik China. Und wie hier Generalsekretär Honecker, fühlte sich dort der Vorsitzende Hua bemüßigt, dem Volk ein paar Geschenke auf den absichtlich karg gehaltenen Geburtstagstisch zu legen: mehr Lohn, mehr Fett und ein Ende der Rationierung für Zucker, Fleisch und Eier.

Rhodesien: Wieder Skepsis

Unklar ist auch noch, ob die britische Regierung mit ihren neuen Vorschlägen für die Verfassung die erste Konferenzrunde bis zum Wochenende abschließen kann.

Spanien: Rache der Felipistas

Spaniens Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE), die nach dem Rücktritt von "Felipe" kaum noch handlungsfähig war, mag sich nach diesem zweiten, außerordentlichen Parteikongreß zwar personell und organisatorisch konsolidiert haben, doch die Verblüffung scheint auch berechtigt, mit der die spanische Öffentlichkeit auf diesen raschen Einigungsprozeß reagierte.

Europaparlament: Fensterreden zum Hausgebrauch

Den satten Auftakt leistete der französische KP-Vorsitzende Georges Marchais. Seinen ersten Auftritt im Parlament benutzte er dazu, seine "tiefe Besorgnis" über eine atomare Bewaffnung der Bundesrepublik auszudrücken.

Rüstungsdebatte: An Waffen nicht gespart

Die amerikanische Kritik am deutschen Verteidigungsetat ist begreiflich, aber sie enthält eine unübersehbare Schwäche. Es fehlt darin das Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit: Die Vereinigten Staaten haben 1979 die im Bündnis vereinbarte Steigerung um drei Prozent pro Jahr nicht eingehalten.

Hans Apel in Washington: Amerikas Ärger über Bonn

Die maßgebenden Männer im Pentagon sehen für die Ziele des langfristigen Verteidigungsplanes der Nato nicht die geringste Chance, wenn die Mitgliedstaaten des westlichen Bündnisses ihre Verteidigungshaushalte nicht um inflationsbereinigte drei Prozent erhöhen.

Fernseh-Zeit: Zeit ist alles

Verblüffend, eher noch bestürzend am Fernsehen ist immer wieder, wie wichtig sich alle daran Beteiligten nehmen. Das gilt natürlich besonders für jene Auserwählten, die – Fachjargon – ihr Gesicht regelmäßig in die Glotze hängen.

Streit um Festredner: Habsburger Zahnschmerz

Hessische Zahnärzte und österreichische Thronerben haben mitunter zumindest eines gemeinsam: Sie bestätigen durch ihr Verhalten selbst die unsinnigsten Vorurteile und die schlimmsten Befürchtungen.

Terrorismus-Prozeß: Kein Mordversuch?

Klaus-Dieter Grooß, wissenschaftlicher Direktor im Bundeskriminalamt, fürchtete am vergangenen Freitag um seinen Auftritt. Sollte er mit seinem Gutachten wieder nicht zu Wort kommen? Schon einmal war er in einem Frankfurter Schwurgerichtsprozeß gegen Astrid Proll ausgeladen worden.

Entläßt das Atom seine Kinder?

Das Wort "Fadenriß" gehört derzeit zum Lieblingsvokabular von Klaus Barthelt, Vorstandsvorsitzender der – Siemens-Tochder Kraftwerk Union, größter deutscher Produzent von schlüsselfertigen Kernkraftwerken im Inland wie im Ausland.

In der Höhle des Löwen

In München treffen am nächsten Dienstag zwei Privatleute zusammen: Franz Josef Strauß und Heinz-Oskar Vetter. Der Zufall will es, daß der eine Vorsitzender der Christlich Sozialen Union (CSU) und zudem bayerischer Ministerpräsident ist, der andere Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

BONNER KULISSE

Bei den parlamentarischen Beratungen über den Bundeshaushalt für das kommende Jahr (Volumen: 215 Milliarden Mark) schlägt nun wieder die Stunde des Haushaltsausschusses.

Steuervereinfachung: Zur Unzeit

Nur eines ist noch komplizierter als das deutsche Steuerrecht; seine Vereinfachung. Diese Erfahrung werden die Niedersachsen machen, die den Bundesrat veranlaßt haben, eine Novelle zur Grunderwerbsteuer zu verabschieden.

AEG/Telefunken: Leidensweg

Der Kurs der AEG/Telefunken-Aktie ist in dieser Woche unter die 40-Mark-Grenze abgerutscht. Der Grund: Die Gerüchte über einen bevorstehenden Kapitalschnitt mit anschließender Kapitalaufstockung haben sich verdichtet, Noch in diesem Jahr – so heißt es – sollen Einzelheiten der Kapitalsanierung bekanntgegeben werden.

Dollar auf der Anklagebank

Auf der Währungskonferenz in Belgrad haben Delegierte und Schlachtenbummler nur ein Thema: Die Währung der Vereinigten Staaten

Wirtschaft im Untergrund: Mogeln als Volkssport

Übermorgen", so erklärt mein Bilderrahmenfachmann, "streiken wir. Dann mache ich Ihnen den Rahmen fertig." Mit "streiken wir" meint der Handwerker natürlich nicht seine Werkstatt, die er soeben erst vergrößert und modernisiert hat, sondern seinen offiziellen Hauptberuf.

ZEIT spart Geld

Die Münchener Kapitalanlagegesellschaft AG bringt unter dem Namen "Rentex" einen neuen Rentenfonds heraus. Er wird seine Erträge nicht ausschütten, sondern thesaurieren.

ZEITRAFFER

Hausgemacht oder nicht, das ist die aktuelle Frage, über die die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BdA) und Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff unterschiedliche Ansichten verbreiten.

MANAGER UND MÄRKTE

Anfang kommender Woche, so Hermann Gremliza, Herausgeber der "Monatszeitschrift für Politik und Kultur konkret will er dem Schatzmeister der SPD, Professor Friedrich Halstenberg, seine exakten Pläne vorlegen.

Bonn muß nun handeln

Streibl: Die Hauptschwierigkeiten liegen darin, daß von seiten der Bundesregierung keine der beiden wesentlichen Voraussetzungen für eine Übernahme geschaffen worden sind.

"Unser Mann" im Vorstand?

Das erinnert an Hermann J. Abs, Deutschlands bekanntesten Bankier, von dem aus seiner Zeit als Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank erzählt wird, daß er, in einer Gesellschaft mit dem Titel "Generaldirektor" angesprochen, sarkastisch meinte: "Ich bin kein Direktor, ich beschäftige welche.

Tschechoslowakei: Fehler im System

Die Rede klang phasenweise wie der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung. Da wurde die Energieknappheit beklagt, über steigende Rohstoffpreise lamentiert und die Verantwortung jedes einzelnen für sorgsamen Umgang mit knappen Ressourcen beschworen.

Energiekrise: Die Welt geht nicht unter

Mannheim wird in Zukunft seine Bedeutung nicht mehr nur aus der Musikgeschichte wegen des Orchestereffekts des Mannheimer Crescendos und aus der Rechtsgeschichte wegen der Mannheimer Akte zur internationalen Ordnung des Rheinverkehrs ableiten.

Firmen und Fakten

In den ersten acht Monaten ist bei ihnen im Kreditgeschäft ein Zuwachs von 16 Milliarden Mark eingetreten. Dadurch stieg das Kreditvolumen auf 154 Milliarden, was einem Marktanteil von rund 22 Prozent entspricht.

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