Von Wanderern und Vaganten

Von Ludwig Harig

Hier hätten Rosen sollen sein", heißt der Titel, einer Erzählung von Jens Peter Jacobsen, und wer weiß, was mit den beiden schauspielernden Pagen geschehen wäre, wenn in diesem Garten tatsächlich Rosen geblüht hätten! Aber die beiden, mit verschiedenen Träumen und Ansichten über die Liebe, kommen nicht überein. "Du bist glücklich", sagt jeder zum andern, "und der Blaue erhebt sich und macht sich auf den Weg zur Campagna hinunter Vielleicht hat er recht, denn es gibt ja die kuriosesten Rettungsversuche, die der Mensch unternimmt, der Unbill dieser Welt zu entkommen. Ganz außergewöhnlich ist das Spazierengehen, man möchte es nicht für möglich halten.

Zumeist ging es nach Italien, Eichendorff folgte dem Posthornklang, Hermann Hesse dem Oleanderduft, und Johann Gottfried Seume spazierte sogar bis nach Syrakus, um Theokrit in dessen Vaterstadt zu lesen. Auch ich bin unlängst über den Alpen gewesen, in den Dolomiten wegen der Rosen, die dort hätten sein sollen. Aber die Rettungsversuche mißlingen, wenn man tayloristisch die Beine bewegt, nur im Doppelspiel von Hirn und Fuß mißlingen sie nie.

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Einer wie Jesus von Nazareth wandelt auf dem Wasser. Ein anderer, wie der Schneider von Ulm, fliegt durch die Luft. Einige, wie die biblischen Jünglinge, gehen durchs Feuer. Andere, wie Werner Herzog, gehen im Eis. Nietzsche hüpfte fröhlich auf den Bergen umher, damit er denken konnte, Wilhelm von Humboldt spazierte durch die Gegend und dachte sich, nichts dabei.