Schumacher, der seit 1937 in den USA lebende Philosoph, ist ein Spaziergänger und Spazierfahrer ganz besonderer Art. In seiner "philosophischen Reise" ins Wallis, in der eine alpine Autofahrt, eine Einwohnung in freier Landschaft, schließlich ein Spaziergang in mittlerer Höhe beschrieben werden, "kommt einiges zur Sprache, das mitgehender Phantasie, ja unbedenklich paradoxem und schweifendem Assoziieren entspringt."

Der Autor kümmert sich nicht um die Logik der Argumente, nicht um die Kontinuität der Gedankengänge; spielerisch mäandernd, waghalsig essayistisch spaziert er durch die vorgefundenen Zusammenhänge, und indem er selbst unerwartete grammatische Wechselschritte und Doppelsprünge vollführt, langt er am Ende beim genius loci an, den er in den locus genii verkehrt, dessen es bedarf, "den Naturwundern ihre immament herrlichen Produktivkräfte begrifflich zu machen, die über Nutzfunktionen weit hinausgehen

Er beschwört das Wesen des Wetterhahns, der in die, schönere Zukunft blickt, "es muß aber ein gallischer sein mit dem Geschmetter von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", und tatsächlich, bei der Rückkehr von seinem Walliser Spaziergang, liegt das Gelände "unter dem jäh vergoldeten Himmel", im "aufgeklärten Wetter", eine rosige Aussicht, aber nicht ein bißchen abgeschmackt, im Gegenteil: Schumachers Buch ist eine spielerische Blochsche Variante vom tätigen Hoffen.

Pfade in den Phantasiedschungel

"Die Angst vor dem Chaos" ist ein anderer Titel des Autors, man begreift sein sinnstiftendes Interesse, mitten im paradoxen Gedankenschlendern. Ihm geht es schließlich wie Hegel Miliradowitsch, von dem es in Smiljanićs Roman heißt: "Unser alter Hegel wäre nicht Hegel, wenn er nicht allem einen Sinn gegeben hätte", und das paßt ja auch auf Friedrich Wilhelm Hegel und auf den Autor dieser Rezension. Über dem Spaziergehen wird man kein Rezensent von Spaziergänger-, von Wander- und Reisebüchern, sondern man wird immer mehr Spaziergänger, und immer mehr verstrickt man sich in die Pfade, die vom sicheren Gedankenweg in den Phantasiedschungel führen.

Doch Rettung liegt womöglich in Panoias. Leo Kornbrust, der Bildhauer, der in Bremen, in Wien, in St. Wendel zur Wohltat fremder Köpfe und Füße gemeißelt und gepflastert hat, ist nach Portugal gereist, um den Stein von Panoias zu suchen, den er irgendwann einmal auf einem Photo gesehen hat. Er schreibt von diesen portugiesischen Spaziergängen, "Auf der Suche nach Panoias" heißt sein Reisetagebuchs Leo Kornbrust sucht ein prähistorisches Gestein, aber er findet Pflaster und Mauern, die aus dem Stein der Weisen gemacht sind: "Bei Spaziergängen durch Lisboa geht man ständig auf Pflaster, heller Kalkstein, Mosaikpflaster mit sehr einfallsreichen Formen in schwarzem Stein, alles wie Polster für die Füße."

Und von Gaudi schreibt er: "Seine Arbeit ist keine Monumental-Architektur, sondern sie ist ganz menschlich, betastbar, begreifbar, in den einzelnen Häusern befinden sich Schulen, die Kinder dürfen in all dem herumspringen und spielen, in der Säulenhalle oder oben über der Säulenhalle, die unglaublich schöne Begrenzung in Schlangenlinie, rundum eine Bank, Wasserabläufe, ein Blick über die Stadt, ein duftender Garten um die Architektur: Mimosen, Palmen, Zitronen."