Fremdartig

„Medea“ von Pier Paolo Pasolini (1969). Was mag Pasolini bewogen haben, sich den Medea-Stoff vorzunehmen, der Sage ihre bunten Abenteuer zu streichen, sie überhaupt nicht eigentlich zu erzählen, sondern raten zu lassen? Und Medea selbst mit der strengen und stattlichen Maria Callas zu besetzen, keinen Augenblick lang das verschwärmte Kolcher-Mädchen, das sich in den übermütigen griechischen Helden, verliebt und seinetwegen die Heimat verläßt, sondern von Anfang an die Rächerin? Es kam ihm wohl weniger auf die Medea-Geschichte an als auf einen Anlaß, der dekadenten, zivilisierten Leichtfertigkeit (die hier die Griechen verkörpern) eine durch und durch von mythischen Ritualen beherrschte Welt entgegenzustellen (die der Kolcher, die Medeas). Doch nicht jeden werden selbst die schönsten und blutigsten Inszenierungen barbarischer Menschenopfer von den Vorzügen der gefestigten mythischen Welt überzeugen; und in die große Kulturkonfrontation, die beabsichtigt war, mischt sich immer wieder ablenkend die Geschichte Medeas, die eine Geschichte verheerender weiblicher Eifersucht ist und keine, die für oder gegen eine bestimmte Kultur spricht. In Deutschland wird der Film jetzt zum erstenmal in den Kinos gezeigt. Wir sehen: fremde Gesichter, fremdere Landschaften, fremdeste Bräuche, angeordnet in einem schwer nachvollziehbaren Gedankengang – phantastische Ethnologie. Dieter E. Zimmer

Blutarm

„Dracula“ von John Badham betont – wie die britischen Hammer-Filme der fünfziger und sechziger Jahre – sehr stark die erotischen Assoziationen dieses klassischen Vampir-Stoffes. Doch John Badham („Saturday Night Fever“) hat nicht Bram Stokers berühmten Horror-Roman verfilmt, sondern Hamilton Deanes erfolgreiche Bühnenversion. Der Untertitel „Eine Love Story“ ist da durchaus zutreffend. Nichts mehr vom dämonischen Charisma eines Christopher Lee! Frank Langella, der 1977 in dieser Rolle am Broadway brillierte, spielt den blutsaugenden Grafen als romantisch-melancholischen Gigolo und Ladykiller: ein dezent-eleganter Disco-Dracula mit kleinen Ernährungsproblemen. Etwas blutarm leider. Trotz der erlesenen Dekors, der erstklassigen Darsteller (Laurence Olivier, Donald Pleasance, Kate Nelligan), der hervorragenden Musik (John Williams), der sorgfältigen Tricks – manche der mit bescheidenerem Budget gedrehten früheren Versionen waren sehr viel leidenschaftlicher, lustvoller. Dies ist ein „Dracula“ vor allem für Kunst-Kino-Gänger: die die schillernde Faszination des Bösen nur goutieren, wenn das Schreckliche geschmackvoll dargeboten wird. Helmut W. Banz

Dürftig

„Spiel mit der Liebe“ von Anthony Harvey. Die Serie der Sportfilme aus Hollywood reißt nicht ab; Nach Surfen, Reiten, Boxen wurden jetzt einige bekannte Tennisprofis (Die Nastase, Guillermo Vilas, Pancho Gonzales) vor die Kamera geholt, um dem jungen Aufsteiger Chris Christensen (Dean Paul Martin) die Bälle zuzuspielen. Und um Anthony Harvey („Der Löwe im Winter“) die Kulisse zu liefern für eine süßliche Liebesgeschichte zwischen Christensen und der nicht mehr ganz jungen Nicole (Ali MacGraw), die sich von einem reichen Industriellen (Maximilian Schell) aushalten läßt. Obwohl sie den Tennisspieler natürlich liebt, muß sie bis zum Happy-End noch viel leiden. Bis dahin aber braucht es unzählige Rückblenden, in denen das Muster Streit/Versöhnung arg strapaziert wird. Immer neue, exklusive Schauplätze, die so Photographien sind, daß die schöne Welt der Peter Stuyvesant daneben fast unscheinbar wirkt, lassen eine Entwicklung der Geschichte gar nicht erst zu. Bei soviel falschen Tönen greift selbst der Sprecher in Wimbledon daneben: Er kommentiert das Spiel mit der sanften Stimme eines Märchenonkels.

Anne Frederiksen