DIE ZEIT

Sayonara helau

Mit dem Frohsinn ist nicht zu scherzen. Wo man organisiert lacht, da wird es häufig bieder. Das haben besonders die Jecken vom Rhein häufig vorexerziert, wenn sie Brauchtum als Pflicht oder närrisches Treiben als Geschäft mißverstanden.

Mord am Abend

Es wäre schön, wenn sich das koreanische Attentatsdrama als Lehrstück begreifen ließe. Wo es schon nicht der Volkszorn war, der den Staatspräsidenten Park Chung Hee hinwegfegte, sondern der Geheimdienstchef, der ihn mit der Dienstpistole niederstreckte, möchte man in dem Mord wenigstens einen Akt politischen Widerstands, ein Fanal bevorstehenden Wandels sehen dürfen.

Rechtsbruch

In bayerischen Gefängniszellen hat der israelische Geheimdienst Palästinenser verhört. Offen bleibt, ob Beamte des Bundesnachrichtendienstes mit dabei waren.

Bombe im Keller

Mitte der achtziger Jahre werde es auf der Erde 35 Kernwaffenstaaten geben – dies war noch vor kurzem eine gängige Schreckensvorstellung.

Türkei: Der sechste Versuch von "Eisenhand"

Beim Zugriff zur Macht war Süleyman Demirel noch nie von Skrupeln geplagt. Als Sieger der türkischen Teilwahlen vom 14. Oktober hat er jetzt zum sechstenmal in den letzten fünfzehn Jahren die Chance, die Regierung in Ankara neu zu bilden.

Worte der Woche

"Wenn die Handlungen der Beschuldigten aus Protest gegen die Beschränkungen der Freiheit tatsächlich die Sicherheit des Staates in Gefahr gebracht haben sollten, muß die Legitimität der Regierung und des Regimes in Frage gestellt werden.

Zeitspiegel

Kinderarbeit ist viel weiter verbreitet, als man es in europäischen Breiten wahrhaben will. Etwa 52 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten in aller Welt, die meisten illegal.

Debatte über Salt II: Militärs forderten mehr

Während auf dem Capitol zu Washington die Debatte über Sinn und Zweck des Salt II-Vertrags im Senat ihren Gang nimmt wie ein Hofgerichtsverfahren vor der kaiserlichen Majestät, stellen die amerikanischen Diplomaten die Akten für den nächsten Beschlußtermin der westlichen Sicherheitspolitik zusammen.

Ideologisierung: Politik mit Babys

Anscheinend in den Wind gesprochen sind alle Ratschläge, die Familienpolitik nicht als Wahlkampfthema zu benutzen. Die Union klammert sich daran; sei es, weil von Franz Josef Strauß bis Heinrich Geißler da alle an einem Strick ziehen oder doch wenigstens den Eindruck erwecken (wozu es sonst wenig Gelegenheit gibt); sei es, weil sinkende Geburtenraten so recht geeignet scheinen, dem Thema dramatische Akzente zu geben, wenn es nicht gar ein deutsches Trauma berührt.

Israels Siedlungspolitik: Böses Blut im Gelobten Land

Es war alles schon einmal dagewesen, nur im entgegengesetzten Sinn: Als zu Anfang dieses Jahrhunderts jüdische Siedler in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina kamen und von arabischen Großgrundbesitzern Land kauften, mußten ihnen oft britische Gerichte den rechtmäßig erworbenen Platz per Urteil freimachen – gegen den Protest der armen arabischen Pächter.

Atomenergie-Debatte: Späte Einsichten in West und Ost

Vernichtender hätte das Urteil der Kommission, die das Reaktorunglück von Harrisburg im Auftrag des amerikanischen Präsidenten untersuchte, kaum ausfallen können: Die Anlage sei "unter ungenügender Anleitung und mit fachlich unzureichendem Personal betrieben" •worden; Organisation, Verfahrensweisen und Praxis der atomaren Aufsichtsbehörde müßten "grundlegend geändert werden, um ähnliche Unglücke zu verhindern".

Spanien: Autonomiestatut gebilligt

Nach Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses gingen im Baskenland 59,77 Prozent der rund 1,5 Millionen Stimmberechtigten an die Urnen, von denen 90,29 Prozent dem im Juli vom Verfassungsausschuß gebilligten "Statut von Guernica" zustimmten.

Ex-Schah ist schwer krank

Mit einer intensiven und langwierigen chemotherapeutischen Behandlung hoffen amerikanische Ärzte, den beim ehemaligen persischen Schah festgestellten Krebs im Lymphdrüsensystem unter Kontrolle zu bringen.

Freundschaft

In dem Vertrag, der als eine Antwort auf die Unterstützung des Nordjemen durch die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien verstanden werden kann, kommen die beiden Länder überein, daß "beide Seiten im Fall einer Bedrohung des Friedens umgehend Konsultationen aufnehmen".

BONNER BÜHNE: Europa-Liebe welkt

Rolf Breitenstein in der "Schreibstube" des Kanzleramts? Klaus Bölling hat keinen Hehl daraus gemacht, daß er den ehemaligen Korrespondenten der Frankfurter Rundschau, später Presseattaché an der Botschaft in London, dann Vizedirektor der Theodor-Heuss-Akademie (FDP), lieber dort weiß, wo er bis Ende Oktober noch ist: in Warschau als Leiter der Wirtschaftsabteilung an der deutschen Botschaft.

Das Mär vom Sozi Hitler

Wie mag es im Kopf eines Zeitgenossen aussehen, der sich, was die neuere deutsche Geschichte angeht, ganz auf die Autorität der Herren Strauß und Stoiber verläßt? Er wird uns erstens erklären, daß am 30.

Die Mär vom Kommu-Nazi

Das Verschieben ganzer Parteien in die Extremistenecke ihrer Randgruppen ist alterprobte Agitation, im Ergebnis für die Demokratie verheerend.

Prager Prozeß: Schandurteile

Eine Protestwelle ging durch Europa. Viele Stimmen der westlichen Welt vereinten sich in Empörung – der Papst und die italienischen Kommunisten, Frankreichs Außenminister François-Poncet und die KPF, das Präsidium der SPD und Genschers Staatssekretär van Well.

Wallraff contra "bild": Abhörskandal?

Es hat sich herumgesprochen, daß Journalisten, wie andere Zeitgenossen auch, zuweilen den Polizeifunk mithören. Daß sie auch private Telephongespräche anderer Bürger belauschen und auf Band aufnehmen, hatte man bislang nicht vernommen.

Tagung der OAS: Lateinamerika auf Mittelkurs

Der Zufall führte eine glückliche Regie. Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs der "Organisation Amerikanischer Staaten" (OAS) erleichterten die Wahl, denn schon ihre Person war Programm: Hier der argentinische Berufsdiplomat Alejandro Orfila, reich, etwas oberflächlich, den angenehmen Seiten des Lebens nicht abgeneigt, und seit 1975 OAS-Generalsekretär; dort der Außenminister der Dominikanischen Republik, Ramón Emilio Jiménez, um energisches Auftreten bemüht und demonstrativer Bannerträger einer besseren (lateinamerikanischen) Welt.

Sie warten immer noch auf ihr Recht

Eiskalter Wind fegt über das Gelände, wo vor rund vierzig Jahren die dürftigen Holzbaracken standen, die tausend Jahre hatten überdauern sollen.

Zum Fest erschien die Polizei

Sie sind fassungslos darüber, daß sie sich vor Gericht verantworten müssen; sie sind von ihrer Unschuld überzeugt. Zum ersten Verhandlungstag vor dem Erweiterten Schöffengericht in Duisburg-Hamborn, das im Saal des Ratskellers tagt, waren die zwölf Angeklagten altväterlich kostümiert und mit Blumen an den Revers erschienen.

Faires Verfahren: Ein Anwalt genügt

Scheidungen sind teuer, kompliziert und dauern lange; das jedenfalls hat sich im Kopf des durchschnittlichen Bundesbürgers an Kenntnis über das neue Scheidungsrecht inzwischen festgesetzt.

Treffpunkt Berlin

Seit Jahren bin ich zusammen mit Alan Bullock, Professor in Oxford und der erste Historiker, der eine Hitler-Biographie schrieb, im Vorstand des Aspen-Instituts in Berlin.

Das Rätsel Hitler

Lord Bullock: Viel ist über Hitler schon gesagt worden – aber ich meine, daß es immer noch ein historisches Hitler-Rätsel gibt.

Deutschland-Reise: "Die Polenballade von Bardowick"

Es war in einem unserer letzten, mehrfach wiederholten Konzerte in Lübeck und um Lübeck herum, daß im Winter 1945/46 Kathleen Kersting die "Illuminations" von Benjamin Britten sang, komponiert auf eine Auswahl jener traumnahen, symbolistischen "Gedichte in Prosa", in denen Arthur Rimbaud Zukunftslyrik vorausgeprägt hat.

Der Fluch der guten Tat

Für die Entwicklung eines reichlich schwammig beschriebenen "Zukunftsautos", die unter anderem von den gewinnreichen Unternehmen Daimler-Benz und Volkswagenwerk betrieben wird, gibt es im kommenden Jahr wahrscheinlich etwas weniger staatliche Zuschüsse, als es sich der zuständige Bundesforschungsminister Volker Hauff vorgestellt hat.

Bonner Kulisse

Optimisten könnten glauben, für die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik kündige sich eine zweite Privatisierungswelle an, nachdem sich zwei Jahrzehnte lang, seit der Privatisierung der Preussag und des Volkswagenwerkes, nichts Spektakuläres mehr getan hat.

IG Bau-Steine-Erden: Das Hemd ist näher...

Die Frage nach einer Unterwanderung durch Kommunisten stellte sich nicht. Und als auf dem Gewerkschaftstag der IG Bau-Stein Erden in Berlin ein Antrag zur Debatte stand, Kontakte mit Gewerkschaften des Ostblocks zu pflegen, war diese Forderung so in allgemeine Phrasen verpackt, daß sie auch für rechte Diktaturen gelten konnte.

Gyula Trebitsch: Medien-Fabrikant

Gyula Trebitsch neulich zu seiner Sekretärin: "Verbinden Sie mich mit Herrn Meyer!" Sie versucht es einmal, ein zweites Mal und ein drittes Mal.

Rentner als "Krisengewinnler"

Im Sommer noch hatten die Amerikaner Ölkonzerne und Energiepolitiker mit wütenden Briefen bombardiert. Ob in der Warteschlange vor der Tankstelle oder später im Büro, man schimpfte über die Benzinknappheit, die unverschämten Ölpreise, die mächtige Lobby von Exxon, Texaco und dergleichen.

Obszöne Gewinne?

Oehme: Nein, weder meine Kollegen in New York noch ich haben wegen der Gewinne ein schlechtes Gewissen, denn diese Gewinne sind eine der Voraussetzungen, um die gewaltigen vor uns liegenden Investitionen für die Sicherung der Energieversorgung von morgen finanzieren zu können.

Munition im Preiskrieg

Scharfe Munition liefern zwei Experten des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Abwehrkampf gegen die Preisvünsche der heimischen Erdölwirtschaft.

Ein neues BMW-Werk: Rüsten für den nächsten Boom

Auf den ersten Blick erscheint es recht unwahrscheinlich: BMW denkt über ein neues Werk nach – ausgerechnet jetzt, da nach den fünf fetten Jahren der Autoindustrie die Auftragseingänge aus dem Inland zurückgehen.

Deutsche Babcock AG: Zurück ins Land der Mutter

Ein deutsches Unternehmen zieht es an seinen amerikanischen Ursprungsort zurück. Jedenfalls hat die Deutsche Babcock AG, Oberhausen, ihr Engagement in den USA durch Beteiligungserwerb mehr als verdoppelt.

Gespräche am Bankschalter: Geldjäger holen zum großen Schlag aus

Die Abschreibungsbranche tritt in diesen Wochen – wie an jedem Jahresende – zur Jagd auf das Geld der "Gutverdiener" an. Daran hat: auch der Gesetzentwurf nichts geändert, den der Bundesfinanzminister zur Eindämmung der "Verlustzuweisungsgesellschaften" vorgelegt hat und der rückwirkend zum 10.

BUCH DER WOCHE

Dieses Buch ist gleich in zweifacher Hinsicht eine Neuheit: Erstens hat noch niemals jemand den Unternehmern so deutlich und so übersichtlich gesagt, was sie alles tun müssen, um eine der vielen staatlichen Subventionen zu ergattern; und zweitens hat, ohne es eigentlich zu wollen, auch noch nie jemand auf so einprägsame Weise die Idiotie des staatlichen Subventionswesens enthüllt.

Mit Kanonen nicht auf Spatzen schießen

Hesselbach: Auf keinen Fall. Ich bin der Meinung, daß wir alles tun sollten, die Inflation einzudämmen. Dazu gehören Preisdisziplin, angemessene Lohnabschlüsse und eine Notenbankpolitik, die die Geldmenge knapp hält, aber nicht so knapp, daß sie über den Zins ihrerseits die Inflation treibt.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Führungskräfte des Düsseldorfer Henkel-Konzerns erfuhren es zuerst: Einer der ihren, so teilte ihnen ihr Prinzipal Konrad Henkel mit, sei zum Vorstandsvorsitzenden der Chemischen Werke Hüls AG (CWH) auserkoren und werde deshalb die Henkel-Gruppe noch in diesem Jahre verlassen.

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