Günther Zupanc will nicht Genie genannt werden. Der Begriff wurde ihm aufgedrängt. Zupanc ist eigentlich ein ganz normaler, 21 Jahre junger Mann, hat das Abitur und die Bundeswehr gerade hinter sich und würde jetzt gern studieren. Das darf er aber nicht. Jedenfalls nicht sein Wunschfach Biologie. Biologie fällt unter den Numerus clausus, und Zupanc hatte nur einen Abi-Durchschnitt von 3,2. Um doch noch einen Studienplatz zu erhalten, stellte er einen Härteantrag bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Der Antrag wurde abschlägig „beschieden“. Im computerisierten Amtsdeutsch des ZVS-Vordrucks heißt es: „Sie haben nicht nachgewiesen, daß Sie eine bessere Durchschnittsnote erreicht hätten, wenn die vorgetragenen Umstände nicht eingetreten wären.“

Die „vorgetragenen Umstände“ – das sind nunmehr sechs Jahre ununterbrochener wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiet der Verhaltensforschung. . Zupanc hatte bei der ZVS 150 Seiten Kopie vorgelegt, um nachzuweisen, daß die beiden „Vierer“ in den Abiturfächern Latein und Griechisch, die seinen Notendurchschnitt drückten, vor allem Folge seiner biologischen Forschungsarbeit waren.

Als Fünfzehnjähriger beteiligte er sich erstmals an dem wissenschaftlichen Wettbewerb „Schüler experimentieren“. Zupanc wurde nicht nur bester bayrischer Teilnehmer in dieser Juniorenklasse, er stieg zugleich in den eigentlich nur älteren Schülern zugänglichen Wettbewerb „Jugend forscht“ auf, wurde dort Regionalsieger Südbayerns und schließlich zweiter Landessieger. Thema seiner Arbeit: „Verhaltensforschung an Fischen der Familie Cichlidae.“ Die Buntbarsche (Cichlidae) blieben auch weiterhin Ziel seiner Untersuchungen. Mit einer vergleichenden Analyse, deren Titel der Laie kaum noch versteht, „Cichlasoma nigrafasziatum – Ethologie und vergleichende Studien mit anderen Cichliden“, gelangte Zupanc 1975 ein zweites Mal unter die Besten Bayerns bei „Jugend forscht“. Auch die allgemeinverständliche Wiedergabe seiner Forschungsarbeiten interessierte ihn. 1976 reichte er eine Reportage „Buntbarsche bringen es an den Tag – neue Erkenntnisse in der Aggressionsforschung“ beim Journalistenwettbewerb „Reporter der Wissenschaft“ ein.

Im gleichen Jahr beteiligte sich Zupanc am „Philips Europa-Wettbewerb für junge Forscher und Erfinder“. Er kam unter die zehn besten Deutschen und erhielt einen zweiten Preis. 1977 reichte es dann schließlich zur Anerkennung als bester Deutscher beim Philips-Wettbewerb. Zupanc nahm an der Europa-Auswahl teil und trug auch dort einen mit 5000 Francs dotierten zweiten Preis davon.

Die „vorgetragenen Umstände“ schlossen neben der reinen Forschungstätigkeit auch die Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen ein. Insgesamt bekam Zupanc für seine Arbeiten 14 nationale und internationale Preise. Zuletzt wurde er für einen Film ausgezeichnet, den er zusammen mit einem Freund gedreht hatte: „Das Leben im Korallenriff“.

Die „vorgetragenen Umstände“ wurden vom Schulleiter bestätigt. Pater Johannes Lettner, Direktor des Humanistischen Gymnasiums bei St. Stephan in Augsburg, schrieb der ZVS, daß Zupanc sich „intensiv mit Fragen der Verhaltensforschung befaßt und sein Einsatz offensichtlich in den sprachlichen Fächern zur Verminderung der Leistung geführt hatte“.

So wenig aber Zupancs Forscherpreise die ZVS umstimmen konnten, so wenig nützten auch des Direktors Einlassungen. Denn die ZVS urteilt nicht nach Sachlage, sondern nach ausformulierten Vorschriften. Dort heißt es zwar, daß Bundessieger von „Jugend forscht“ auch dann studieren dürfen, wenn sie nicht den erforderlichen Notendurchschnitt erreichen. Aber bei „Jugend forscht“ war Zupanc eben immer nur Zweiter.