Warum die Militärs unter Hitler versagten

Von Karl-Heinz Janßen

Ein großer Wurf, fast eine revolutionäre Tat in der militärgeschichtlichen Forschung ist anzuzeigen: der erste von zehn Bänden einer Gesamtdarstellung des Zweiten Weltkrieges aus (west)deutscher Sicht –

„Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“; Band 1: „Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik“; von Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann, Wolfram Wette; hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979; 767 S., 72,– DM.

Warum es so lange gedauert hat, bis die Militärhistoriker der Bundesrepublik den Auftrag erfüllen konnten, den schon die ersten Generalinspekteure der Bundeswehr ihnen erteilt hätten, dafür ließen sich viele Gründe aufzählen: Die deutschen Militärakten waren zunächst noch im Gewahrsam der Alliierten; die Zahl der Mitarbeiter und die finanziellen Mittel reichten nicht aus (und sind immer noch ungenügend); die verschiedenen Konzeptionen für eine Kriegsgeschichte ließen sich lange Zeit nicht auf einen Nenner bringen.

Von den gelegentlichen Differenzen zwischen militärischer Leitung und zivilen Wissenschaftlern des Amtes in Freiburg wollen wir lieber schweigen, hat die Bundesrepublik doch jetzt Grund zur Freude, daß endlich gut geworden, was so lange währte. Es war nachgerade ärgerlich, als in den letzten Jahren im Ausland die DDR die Lücke ausfüllen konnte, die noch in der westdeutschen Zeitgeschichtsforschung klaffte – das Gesamtwerk der Ostberliner Historiker, das natürlich auch eine politische Funktion zu erfüllen hat, ist früher begonnen und weiter gediehen, freilich konnten sie auch mit erheblich größerem Aufwand an die Arbeit gehen.

Keine „amtliche“ Geschichte