Bonn will jetzt den von der Pleite bedrohten Unternehmen mit einer Steuersenkung helfen

In ganzseitigen Zeitschriftenanzeigen wird Nachhilfe im Zigarrenrauchen erteilt: „Behalten Sie den Rauch für einige Augenblicke im Mund, lassen ihn kreisen“, denn das Inhalieren ist verpönt, weil „so aberwitzig, wie ein Glas vom besten Kognak auf einen Zug zu leeren“. Die Branche, deren Produkten ein Opa-Image anhängt, wirbt so um neue, jüngere Kunden.

Um die Prominenz brauchte sie sich nie Sorgen zu machen. Staatsmänner wie Leonid Breschnjew, Edward Heath und natürlich Fidel Castro zeigen sich oft mit einer Zigarre, und schon Bismarck schätzte diesen Rauchgenuß. Sorgen bereiten den Zigarrenherstellern jedoch die „einfachen“ Kunden, die Masse, die freilich immer mehr zu einem kleinen Häuflein zusammenschrumpft.

Denn während im Rekordjahr 1957 in der Bundesrepublik noch 4,7 Milliarden Zigarren und Zigarillos verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr gerade die Hälfte und 1979 wird erneut weniger abgesetzt. Folge des Kundenschwunds: Vielen Zigarrenfirmen geht die Luft aus, sie müssen schließen. 1973 produzierten 118 Firmen in Deutschland die starken Rauchwaren, fünf Jahre später bot dieser Zweig nur noch für 79 Unternehmen eine Existenzgrundlage. Von damals 12 500 Beschäftigten verdienen heute nur knapp 8000 ihr Geld mit der Herstellung von dunklen (Brasil-) oder hellen (Sumatra-) Zigarren.

Jüngstes Beispiel für die Schwierigkeiten der Branche: Die Firmengruppe Engelhardt-Neuhaus, die zu den sechs größten Herstellern in Deutschland zählt, geriet in akute Zahlungsnöte. Das Finanzamt hatte den beiden über einen Kooperationsvertrag verbundenen Unternehmen eine, ungenießbare Zigarre verpaßt; es wollte bislang gestundete Banderolensteuern in Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Mark kassieren.

Die Chancen, die Gruppe vor der drohenden Pleite zu retten, sind inzwischen wieder gestiegen. Peter Neuhaus, Gesellschafter der Unternehmen, die in ihren Fabriken in Witzenhausen (Hessen) und Schwetzingen (Baden-Württemberg) rund 500 Mitarbeiter beschäftigen, beteuert: „Die Sanierung klappt, die Arbeitsplätze werden gesichert.“ Nach einer Kapitalaufstockung übernahmen jetzt die Landeskreditbank Baden-Württemberg und die von seinem Bruder, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Alfred Hubertus Neuhaus geführte Intertabaco GmbH Bürgschaften.

Der Hauptgrund für die Probleme von Engelhardt-Neuhaus liegt in der kleinen Käuferschicht. „Unsere Kunden sind größtenteils bei den über 50jährigen zu suchen“, weiß Lothar Gabriel, Geschäftsführer beim Bundesverband der Zigarrenindustrie. Nach dem Rekordjahr 1957 mußten mit Ausnahme eines einzigen Jahres stets Einbußen hingenommen werden. Der Markt wird enger und der Wettbewerb ist, so Gabriel, „sehr hart und führt zu Auswüchsen“.