Von Heinz-Günter Kemmer

Carl war der erste, Hermann der größte und Richard ist der vorerst letzte, der den Clan anführt. Die Rede ist von den Röchlings, jener Industriellenfamilie, die sich in ihren Glanzzeiten mit den Stumms die wirtschaftliche Macht an der Saar teilte. Inzwischen ist der Industriellen-Clan jedoch an der Saar nicht mehr engagiert – lediglich eine der beiden Familien-Holdings, die Röchling Industrie Verwaltung GmbH hat ihren Sitz – noch – in Saarbrücken.

Gemeinsam mit der Gebr. Röchling KG in Mannheim verwaltet sie den immer noch beachtlichen Besitz, der inzwischen auf etwa 200 Köpfe angewachsenen Familie, der nur noch zehn Träger des Namens Röchling angehören. Daneben finden sich so wohlklingende Namen wie v. Saurma-Jeltsch, v. Salmuth und v. Gemmingen-Hornberg. Und das macht klar, daß auch hier bürgerliches Geld und ererbter Adel einander angezogen haben.

Was die Familie im Augenblick wieder ins Gerede – besser wohl ins Augenblick – gebracht hat, ist ein ungewohnter Vorgang: Rückzug hat sich plötzlich in Vormarsch verwandelt. Nach dem Verkauf der traditionsreichsten Beteiligung, der Stahlwerke traditionsreichsten GmbH an die luxemburgische Arbed, ging die Absetzbewegung weiter. Denn die Beteiligung von 58 Prozent an der Gerlach-Werke GmbH in Homburg, die erst bei der Einigung mit der Arbed auf Röchling übergegangen war, wurde flugs an den Krupp-Konzern verhökert.

Neben einigen Arbed-Aktien dürfte die Familie bei ihrem Rückzug von der Saar etwa 70 Millionen Mark kassiert haben. Ob dieses Geld im Schoß der Familie versickert oder für ein neues Engagement genutzt wird, ist noch offen. Denn die jüngste Aktion einer Röchling-Gesellschaft wird zunächst einmal von dieser selbst finanziert: Die Rheinmetall Berlin AG in Düsseldorf, an der die Röchling Industrie Verwaltung mit 78 Prozent beteiligt ist, hat die Mehrheit der Stammaktien des wohl renommiertesten deutschen Besteck-Herstellers, der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen an der Steige erworben.

Rheinmetall, Ende 1978 mit flüssigen Mitteln von rund 150 Millionen Mark gesegnet, kann den auf 50 Millionen Mark geschätzten Preis für die WMF-Mehrheit spielend aus der eigenen Tasche bezahlen. Aber mit dem Erwerb allein ist es offenbar nicht getan. So haben sich wohl die Erben des Geheimrats Siegle vor allem deshalb von ihrem WMF-Engagement getrennt, weil sie den Kapitalbedarf ihres Besteck- und Kochtopfimperiums nicht decken konnten oder wollten. Für die Röchlings sollte das kein Problem sein. Und so spekuliert denn alles darauf, daß es demnächst bei Rheinmetall eine Kapitalerhöhung geben wird.

Für die bedeutendste industrielle Tochtergesellschaft der Röchlings ist der Einkauf in die WMF mehr als nur ein Beteiligungserwerb. Er soll nämlich vor allem dazu dienen, dem Rüstungskonzern Rheinmetall ein neues Provil zu geben. Denn dem Düsseldorfer Unternehmen, das unter anderem Geschütz und Turm für den Panzer Leopard II herstellt, ist auf die Dauer ein Rüstungsanteil von 70 Prozent zu hoch.