Von Rudolf Herlt

Keine Angst – die Zentralbanken der europäischen Länder und der Vereinigten Staaten werden nichts tun, um den Höhenflug des Goldpreises zu stoppen. Sie werden kein Währungsgold verkaufen, obwohl sie es für möglich halten, daß der Preis die Tausend-Dollar-Grenze durchstoßen wird. Bei ihrem letzten Routinetreffen haben die Notenbankpräsidenten in Basel zwar auch besprochen, ob und wie sie die Bocksprünge des Goldpreises unter Kontrolle bekommen könnten. Rasch hat sich jedoch herausgestellt, daß die Meinungen nicht unter einen Hut zu bringen sind.

Die Franzosen – das überraschte niemanden – lehnen Goldverkäufe aus Währungsreserven rundweg ab; sie würden ihrer gesamten Währungsphilosophie widersprechen. Aber auch die Amerikaner, die das Gold seit 1974 ganz aus der Währungspolitik herausdrängen wollen, haben Goldverkäufe aus Währungsbeständen abgelehnt. Der amerikanische Finanzminister William Miller meint sogar, sie würden genau das Gegenteil der gewünschten Wirkung erreichen. Deshalb hat das amerikanische Schatzamt seine Goldauktionen ganz eingestellt.

Die Verantwortlichen in Bonn und Frankfurt haben noch keine einheitliche Meinung über die währungspolitische Rolle des Goldes. Manche möchten es von allen währungspolitischen Pflichten entbinden. Sie hätten nichts gegen Goldverkäufe. Ihnen widersprechen andere, die ganz strikt gegen jede Veräußerung von Währungsgold sind. Die Bundesbank wird deshalb nicht, aktiv werden. Sie wird alles so lassen, wie es ist.

Aber auf dieser Welt bleibt nichts so wie es ist. Die ungeklärte Frage über die Rolle des Goldes in der Währungspolitik liegt als Hypothek über der internationalen Geldordnung, sei es das Weltwährungssystem oder das Europäische Währungssystem.

Solange – die Weltwährungsordnung von London und dem britischen Pfund dominiert wurde – von den Napoleonischen Kriegen bis zum Zweiten Weltkrieg –, war das Gold ihr Rückgrat. Doch am Ende des Zweiten Weltkrieges besaßen die Amerikaner praktisch das gesamte Gold der westlichen Welt. Der Schatz im legendären Fort Knox war der Gegenwert, mit dem die Europäer amerikanische Exporte bezahlt hatten. Das Gold war westwärts gewandert.

Mit dem Dollar als stärkster Währung der Welt im Rücken haben die Amerikaner in den vierziger Jahren in Bretton Woods eine auf sie zugeschnittene Nachkriegs-Währungsordnung ausgehandelt. In dieser Ordnung hatte das Gold wichtige Funktionen. Mit ihm wurde nicht nur der Tauschwert der Währungen gemessen; Notenbanken konnten außerdem ihre Dollar jederzeit beim US-Schatzamt in Gold umtauschen.