DIE ZEIT

Wie lange noch bis 1984?

Hans-Peter Bull, Datenschutzbeauftragter des Bundes, hat ein schwieriges Amt und Pech mit den Terminen. So wichtig seine Aufgabe für den Schutz individueller Freiheit ist, so recht tut er daran, vor einer hysterischen Beschwörung des "Großen Bruders" zu warnen, weil die komplizierte Materie Datenschutz nur in sachlicher Atmosphäre gedeihen kann.

Morgen Rumpelkammer

Die "Grünen" sprechen sich Mut zu. Ihren mühseligen Kongreß zum Auftakt des Landtagswahlkampfes in Baden-Württemberg stilisieren sie zum "großen Erfolg" hoch.

Im Volke wächst die Angst vor Krieg

Gibt es Krieg? Nach langer Zeit tauchte das Wort an der Jahreswende zum erstenmal wieder in den Neujahrsbotschaften auf. Giscard benutzte es gleich dreimal; der Papst malte in drastischem Detail die Schrecken eines Atomkonflikts aus; und das Bulletin of the Atomic Scientists, auf dessen Titelblatt amerikanische Kernphysiker seit 1947 symbolisch kundtun, welche Stunde der Menschheit schlägt, rückte den Zeiger von neun Minuten vor zwölf auf sieben Minuten vor zwölf – nach dem Einfall der Sowjets in Afghanistan wollen ihn die Herausgeber auf fünf vor zwölf stellen.

Gefährliche Sieben

Das Sieben-Prozent-Mißverständnis wird die Gemüter noch lange erhitzen. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff so unvorsichtig war, laut zu rechnen, machte sich kaum noch jemand die Mühe, genau nachzuprüfen, was er da eigentlich gerechnet hatte.

Worte der Woche

"Jeder Versuch einer auswärtigen Macht, über die Region des Persischen Golfs die Herrschaft zu erlangen, wird als Angriff auf die vitalen Interessen der USA angesehen werden.

Irans Präsident: Der Mann der Stunde?

Der Ajatollah geht, der Präsident kommt. Doch so einfach ist es im Iran nicht, gerade dort nicht. Zwar mußte der bald 80jährige Ruhollah Chomeini wegen akuter Herzschwäche in die Intensivstation eines Spezialkrankenhauses, ehe zur Überraschung fast aller Eingeweihten der 47jährige Abdul Hassan Bani-Sadr mit überwältigender Mehrheit (75,7 Prozent, vor seinem Rivalen Admiral Madam mit kümmerlichen 14,6 Prozent) zum ersten Präsidenten des Iran gewählt wurde – aber noch wird der Greis aus Ghom den Ton angeben.

Zeitspiegel

Ausgerechnet in der Sowjetunion ist der Koran zu einem begehrten Buch geworden. Der Grund: Regierung kontrolliert strikt die Publikation religiöser Schriften.

Moskau hat sich zweimal getäuscht

ZEIT: Krisen führen zu seltsamen Bundesgenossenschaften; da erscheinen plötzlich – bildhaft ausgedrückt – der CSU-Kanzlerkandidat Strauß und der FDP-Außenminister Genscher Arm in Arm und reden von gemeinsamer Außenpolitik.

Gefahr liegt in der Eskalation

Helmut Schmidt hat in seiner Regierungserklärung zur Invasion von Afghanistan konstatiert: "Am Beginn des neuen Jahrzehnts stehen wir einer kritischen internationalen Lage gegenüber.

Afghanistan: "Karmal heißt Karl Marx Lenin"

Während im Kabuler Außenministerium die letzten, diskret in alte Zeitungen eingepackten Porträts des gestürzten Hafisullah Amin weggeschafft werden, gräbt sich die Rote Armee im hartgefrorenen Boden Afghanistans für den Winter ein.

Pakistan: Konferenz verurteilt Sowjets

Die islamische Konferenz in Islamabad ist mit einer Verurteilung des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan und einer Warnung vor "imperialistischen Interventionen gewisser Westmächte" zu Ende gegangen.

BONNER BÜHNE: Trick oder elegante Lösung

Beifall von ungewohnter Seite hat Helmut Schmidt bekommen. Brieflich zollte ihm Günter Grass Anerkennung für den vorsichtig-behutsamen Kurs, den der Kanzler seit der Afghanistan-Krise steuert.

Sanktionen des IOC

Länder, deren Nationale Olympische Komitees (NOK) die Einladung zu Olympischen Spielen angenommen haben, danach aber aus politischen Gründen die Spiele boykottieren, können aus der Olympischen Bewegung ausgeschlossen werden.

Amerikanische Präsidentschaftswahlen: Kennedys zweiter Anlauf

Den Beginn des "letzten Aktes im längsten und schmerzlichsten politischen Drama der amerikanischen Geschichte" hatte Haynes Johnson, einer der kenntnisreichsten Berichterstatter von den Schlachtfeldern amerikanischer Präsidentschaftswahlen, auf den 7.

Wechsel-Spiel

In den letzten Wochen beschrieben wir das "Betriebsstättenprinzip", wonach die Sender der ARD die Welt unter sich aufgeteilt haben und jeweils aus ihrem Sender einen Mann (oder eine Frau) auf den ihnen zugeordneten Auslandsposten entsenden.

DDR-Fernsehen: Professor Kaul der Große

Drüben ist er ein Star, der 73jährige Professor Friedrich Karl Kaul. Einmal, weil er regelmäßig im Fernsehen juristische Ratschläge erteilt; dann, weil er einer der wenigen Anwälte ist, der – zugelassen beim Westberliner Kammergericht – regelmäßig als Nebenkläger bei NS-Prozessen auftritt.

Es wäre besser gewesen, so meinen sie, der Gesetzgeber hätte die Vorschriften damals befristet. Das "Gesetz auf Zeit" sei eine ideale Möglichkeit, auf besondere Situationen ad hoc zu reagieren.: Schafft Gesetze auf Zeit!

Im Herbst letzten Jahres setzten zehn FDP-Bundestagsabgeordnete zu einem parlamentarischen Kraftakt an: Sie wollten den Gesetzgeber noch in dieser Legislaturperiode dazu bewegen, drei Vorschriften aus unseren Gesetzbüchern zu streichen, die erst vor Zwei bzw.

Geschäfte mit dem Mangel

Die Deutschen sind, so scheint’s, immer noch gründliche Leute, gründlich bis zur Selbstaufopferung. Da stirbt ein Mann in der Badewanne, weil er, um kostbare Energie zu sparen, sämtliche Ritzen an Türen und Fenster seines Badezimmers perfekt verstopfte.

Plumpe Argumente

Nein, ein Streik in der Metallindustrie, wo sich die Fronten im Lohnstreit vorerst einmal festgefahren haben, ist – zumindest gegenwärtig noch – unwahrscheinlich.

Spielwaren: Männlein

Vor einigen Jahren waren sie die Sensation der Spielwarenbranche, die Männlein aus dem Nürnberger Raum. Zwei Fabrikanten aus Zirndorf und Fürth hatten mit den sogenannten Playfiguren aus Kunststoff einen unwahrscheinlichen Erfolg.

BONNER KULISSE

Trotz aller Unbedachtheit seines Generalsekretärs Edmund Stoiber, der den Industriepräsidenten Rolf Rodenstock unbotmäßiger Sympathie für Bundeskanzler Helmut Schmidt geziehen und dadurch die Unternehmerstimmung für CDU und CSU nicht gerade gefördert hatte – trotz all dieses Spektakels hofft Franz Josef Strauß noch immer auf Geld und gute Worte von den Wirtschaftsbossen.

Kartellamt: Anmaßung

Auf den ersten Blick wirkte es großartig Das Bundeskartellamt schaut den großen Ölkonzernen scharf auf die Finger, damit sie den kleinen Verbrauchern auch ja keinen Pfennig zuviel abknöpfen.

Deutscher Ring: Rotstift

Der Deutsche Ring, in den letzten Jahren gebeutelt durch Millionen-Verlustgeschäfte mit ausländischen Arbeitnehmern, hat das Schlimmste überstanden.

Lohnpolitik: Ein Fehltritt

Empfiehlt Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff für die Tarifverhandlungen dieses Jahres Lohnabschlüsse von sieben Prozent? Ein Rundfunkinterview sorgte für dicke Schlagzeilen und viel Aufregung

Ölkonzerne: Multis suchen Mitleid

Man bekommt fast Mitleid mit den Ölkonzernen, wenn man die Anzeigen liest, mit denen sie zur Zeit die amerikanischen Zeitungen und Magazine pflastern: Von den 1,10 Dollar, die amerikanische Autofahrer für eine Gallone (ca.

Siemens: Elektronik unter einem Dach

Siemens-Chef Bernhard Plettner über zwei Vorstandskollegen: "Die tuscheln von morgens bis abes miteinander." Das Tuscheln sieht Plettner allerdings mit Wohlgefallen.

Frankreich: Zweifel am Atom

Bisher wurden deutsche Energieplaner immer noch blaß vor Neid, wenn sie nach Frankreich blickten. Denn während in der Bundesrepublik Umweltschützer und Verwaltungsgerichte den Bau neuer Kernkraftwerke so gut wie total blockieren, schien bei unseren Nachbarn der Glaube an die Kernkraft ungetrübt.

Privatfernsehen: Die Konkurrenz der Genossen

Die Tage des österreichischen Rundfunkmonopols dürften gezählt sein. Hans Dichand, Chefredakteur der "Neuen Kronen Zeitung" und gleichzeitig zur Hälfte Eigentümer der größten österreichischen Tageszeitung (täglich rund zwei Millionen Leser): "Es ist fast sicher, daß es in absehbarer Zeit privates Fernsehen in Österreich geben wird, weil politisch eine andere Konstellation entstanden ist.

Belgien: Eulenspiegel geht schwarz arbeiten

Nach Feierabend geht für den Tankwart um die Ecke die Arbeit erst richtig los. Dann kommen die Kunden dran, die die hohen Reparaturkosten einer normalen Reparaturwerkstatt meiden und sich mit dem Improvisionstalent des gelernten Autoschlossers an der Zapfsäule begnügen.

Eine Kur, die den Tod bringt

Etwa ein Dutzend Gestalten drängen sich in der Unterkunft am Werkstor. Stoffetzen mit der Aufschrift "official picket" weisen sie als Streikposten aus.

Börsen-Report: Öl, Gold und Rüstung

Seitdem feststeht, daß es in absehbarer Zeit weder um Afghanistan noch um Jugoslawien und auch nicht um die amerikanischen Geiseln in der Teheraner US-Botschaft zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen wird, ist die bisher in den deutschen Börsensälen herrschende Lethargie gewichen.

ZEITRAFFER

Der Post sei Dank. Im Januar werden die Kosten für die Lebenshaltung für die privaten Haushalte nach langer Zeit einmal wieder langsamer ansteigen als im Vormonat, die einmalige Gutschrift von dreißig Mark für alle Fernsprechteilnehmer schlägt zu Buche.

Abhängigkeit abbauen

Brunner: Wir müssen uns doch zunächst einmal klar darüber werden, was nötig ist und was wir wollen. Dann kann man über die Frage der Finanzierung reden.

Ölimporte: Immer mehr, immer teurer

1979 war ein Jahr der Rekorde: Mit über 107 Millionen Tonnen wurden 11,9 Prozent mehr Rohöl eingeführt als 1978. Und die Rechnung kletterte auf über 45 Milliarden Mark, 1978 mußte die deutsche Wirtschaft noch 30 Milliarden fürs Öl aufbringen.

Ist die Oper unregierbar?

GÖTZ FRIEDRICH: Ich wollte nicht partout Intendant werden. Nur: In dem Moment, wo Berlin zur Debatte stand, fand ich es reizvoll und notwendig, bei allem, was dagegen spricht, diesen bisherigen Zustand aufzugeben.

Schriftsteller oder Revolverheld?

Vernunft braucht manchmal Mut. Es war eine vernünftige und mutige Entscheidung, dem Lyriker und Romancier Peter-Paul Zahl den mit 5000 Mark dotierten Literatur-Förderpreis der Freien Hansestadt Bremen zu verleihen.

Zeitmosaik

Was nun die Verhältnisse in unserem Land angeht, die Sie in meinem Roman "in breiiger Trostlosigkeit" dargestellt sehen, so machen Sie sich gewiß Illusionen, wenn Sie annehmen, meine Einschätzung würde nur von wenigen geteilt.

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