Frankfurt a. M.

In der Mitte zwischen Ernst und Spaß liegt es, wenn Frankfurter Kommunalpolitiker heute überlegen, ob man nicht die nagelneuen U-Bahn-Wagen, die gerade für teures Geld angeschafft worden sind, wieder verhökern sollte. „Am besten nach Amerika“, heißt es. Und man witzelt, Kleinanzeigen sollten in der New York Times aufgegeben werden. Die Verkaufsüberlegungen sind gar nicht so absurd, wie sie zunächst anmuten. Die Neuerwerbungen vom Typ „U 3“ passen nämlich nicht in das bisherige Verkehrskonzept; sie können nicht im „Mischbetrieb“ mit den bereits vorhandenen Wagen „Pt 8“ auf derselben Strecke eingesetzt werden. Der Grund ist von umwerfender Banalität: Der Wagen „U 3“ ist 2,65 Meter breit, der Typ „Pt 8“ nur 2,32 Meter.

Damit die Pt-8-Wagen von Eckenheim bis zum Hauptbahnhof die letzte Etappe im City-Bereich auch „unter der Erde“ fahren können, waren die Rampen an einigen Stationen durch einen Vorbau erweitert worden. Die Betriebsordnung für Straßenbahnen schreibt nämlich vor, daß der Abstand zwischen dem Fahrzeug und der Bahnsteigkante nicht größer als 25 Zentimeter sein darf. Das lief bisher alles reibungslos und ohne Komplikationen. Die attraktive Verbindung – ohne Umsteigen – erfreute sich großer Beliebtheit. Nun wird aber im Juni die U-Bahn Bornheim–Hauptbahnhof eingeweiht, die mit den neuen Wagen vom Typ „U 3“ betrieben werden soll. Bei der Station „Konstabier Wache“ stößt sie auf die Strecke, die zur Zeit von den Pt-8-Wagen der Eckenheim-Linie befahren wird. Was nun?

Die Planer vom „Frankfurter Verkehrsverbund“ (FW) versichern, man sei von Anfang an davon ausgegangen, daß die Eckenheimer nicht mehr bis zum Hauptbahnhof durchfahren könnten, sondern daß sie an der „Konstabier Wache“ umsteigen müßten, wenn die Bornheimer U-Bahn-Strecke in Betrieb genommen wird. Das Umsteigen, so sagen sie, sei durchaus zumutbar für den Fahrgast.

Im Stadtparlament ist man allerdings ganz anderer Meinung. Da kann man sich nicht ohne weiteres dazu durchringen, die wichtige Verkehrsader Eckenheim–Bahnhof kurz vor dem Ziel zu kappen. Deshalb wird jetzt erörtert, auf dieser Strecke den Bahnsteig zu verkleinern, weil die breiteren U-3-Wagen mehr Platz benötigen, und die etwa dreißig Pt-8-Fahrzeuge, die auf dieser Strecke verkehren, mit einem Gummiwulst zu garnieren, um den vorschriftsmäßigen Abstand zum Bahnsteig wieder zu erreichen.

Einige Millionen, so wurde schon errechnet, würde die Umrüstung kosten. Die Vorschläge aus der Frankfurter Bevölkerung – etwa der, nicht die Bahnsteige, sondern die Schienenstränge zu verändern – machen deutlich, welch Kuckucksei man sich ins eigene Nest gelegt hat. Der Vorschlag, auf der neuen U-Bahnstrecke nicht die breiten, sondern die schmalen Wagen verkehren zu lassen, wurde ebenfalls erörtert. Aber auch diese Rechnung geht nicht auf: Die vorhandenen Pt-8-Fahrzeuge sind auf anderen Strecken bereits voll ausgelastet.

Die Partnerstadt von Frankfurt am Main ist Lyon. Weit mehr Gemeinsamkeiten gibt es offensichtlich mit Schilda; denn was den Schildbürgerstreich angeht, da haben die Frankfurter immerhin, wie man sieht, ganz Beachtliches zu bieten.

Gerhard Ziegler