DIE ZEIT

Lew Kopelew unter Druck

Nach Sacharow ist nun offenbar Lew Kopelew dran: Der russische Schriftsteller, der neun Jahre in Stalins Lagern zugebracht hat, ehe er 1956 rehabilitiert wurde, ist in einer Moskauer Zeitung scharf angegriffen worden.

Kanzler, Kandidat und Krise

Die Wahlkampfstrategen teilen das Los der Wirtschaftspropheten: Ihr Kalkül ist unsicher geworden. Seit dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan und noch mehr seit den danach folgenden außenpolitischen Turbulenzen stimmen die bisherigen Überlegungen nicht mehr.

Ein Debakel

Wer hoch oben eine Lawine losgetreten hat, muß nicht unbedingt schuld sein an der Katastrophe im Tal. Dies ist aber auch der einzige Trost, der dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg bleibt: Er konnte nicht ahnen, daß sein niedersächsischer Kollege Ernst Albrecht aus der Kündigung des Staatsvertrages über den Norddeutschen Rundfunk ein medienpolitisches Debakel machen würde.

Der Pariser Schwur

Die gemeinsame Pariser Erklärung von Schmidt und Giscard zur Afghanistan-Krise besitzt einen europäischen Seltenheitswert. Die beiden Staatsmänner haben zum ersten Male während eines großen internationalen Konflikts in einheitlicher Gedankenführung das europäische Interesse definiert und proklamiert.

Deutsch-französische Konsultationen: Gipfel-Glück aus dem Entspannungstief

Die Inszenierung im großen Festsaal des Elyséepalastes ließ Besonderes ahnen. Während Staatspräsident Giscard d’Estaing und Bundeskanzler Schmidt normalerweise die deutsch-französischen Konsultationen mit einem kurzen Stehkonvent und mehr oder weniger selbstverständlichen Erklärungen abschließen, hatte man diesmal einen Empire-Tisch ins Scheinwerferlicht der Fernsehkameras gerückt.

Italiens Dauerkrise: "Er hat nicht einmal Kraft zum Sturz"

Macht? In den dunklen, stets ein wenig fragend blickenden Augen Francesco Cossigas blitzt so etwas wie Schalk auf, aber er sagt es sehr ernst und mit dem dozierenden Ton des Professors für Verfassungsrecht: "Ich halte die Gleichsetzung von Politik und Macht für verfehlt.

Worte der Woche

"Viele jener 104 Länder, die in der UNO den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan verurteilt haben, werden an der Moskauer Olympiade teilnehmen.

Zeitspiegel

Rührig ist der Verlag des Neuen Vorwärts, des SPD-Parteiblatts, auch bei der touristischen Betreuung seiner Leser. Zwecks sozialdemokratischer Weitläufigkeit veranstaltet seine "Abt.

Wolf gang Ebert: Dear Uncle Sam

Mache dir bitte keine Sorgen. Ich bin dir treu und werde dich nie im Stich lassen. Und wenn alle anderen untreu würden – auf mich kannst du bauen! Denk doch nur an die Nibelungentreue.

Im Schlepptau Moskaus

Nur zwischen den Zeilen des SED-Blattes Neues Deutschland wurde in der vergangenen Woche erkennbar, daß das geplante Arbeitstreffen von Bundeskanzler Schmidt und SED-Generalsekretär Honecker auf Grund einer dringlichen Anregung der DDR verschoben worden ist.

Kuba: Fidel Castro in Nöten

Mehr als vier Wochen hatte der maximo lider geschwiegen und mit dieser Demonstration schon seine Auffassung bekundet. Fidel Castros erste Stellungnahme, übermittelt in einer Botschaft an die UN-Konferenz für wirtschaftliche Entwicklung in Neu-Delhi, ließ dann an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Die Vorgänge in Afghanistan haben an dramatischer Bedeutung zugenommen, die jeden beunruhigt, der auf der Grundlage, daß ein jedes Volk das Recht auf Souveränität, Integrität und Unabhängigkeit besitzt, den Frieden wünscht.

USA: Carter-Doktrin geht ins Geld

Präsident Carter hat beim Kongreß die Ermächtigung beantragt, in dem am 1. Oktober beginnenden Finanzjahr 1981 inflationsbereinigt 5,4 Prozent mehr für Verteidigungsausgaben als 1980 ausgeben zu dürfen, nämlich 158 Milliarden Dollar.

Vietnam: Politisches Beben

Bei der größten Regierungsumbildung seit dem Bestehen der Volksrepublik Vietnam sind in der vergangenen Woche die drei letzten Mitkämpfer Ho Tschi Minhs aus dem Kabinett ausgeschieden.

BONNER BÜHNE: "Kampftruppe" ohne Namen

Die Demoskopie hat mancherlei Veränderungen in der Stimmungslage seit der Invasion von Afghanistan registriert, allerdings haben sich die Werte für die wichtigen Politiker und die Parteien so gut wie überhaupt nicht verschoben.

Iran: Schicksal der Geiseln ist noch immer ungewiß

Nach einer Veröffentlichung des früheren Chefredakteurs der ägyptischen Tageszeitung Al Ahram, Mohammed Heikal, in der britischen Sunday Times soll US-Präsident Jimmy Carter mit einer Reihe von Zusicherungen an die iranische Führungsspitze den Boden für eine Freilassung der Geiseln bereitet haben.

Ungarn 1956: Es war eine Tragödie

Diese Erinnerungen – gibt es keine gedruckte ungarische Fassung? – haben im Vergleich mit anderen Zeugnissen, mit Dokumenten, mit historischen Darstellungen ihre eigene Note und Bedeutung.

Warnung vor Sektenfängern

Zu den – auch in der ZEIT immer wieder kritisch unter die Lupe genommenen Sekten gehört die Scientology-Church. Sie gehört zu den "Pseudo-Religionsgemeinschaften", die labile Jugendliche in ihren Bann ziehen.

Bildungspolitik: Weniger wert in Nordrhein – Westfalen

Als "Opfer" des bundesdeutschen Bildungsföderalismus versteht sich Dorle Fink. Die ehemalige Heimleiterin zog im November vergangenen Jahres von Hamburg nach Bochum, weil ihr Verlobter an der Ruhruniversität Bochum einen Studienplatz im Fach Medizin gefunden hatte.

Deutschlandpolitik: Abschied von Bonn

Johann Baptist Gradl wird nicht mehr in den Bundestag zurückkehren. Natürlich, 75 Jahre sind ein hohes Alter und mehr als zwei Jahrzehnte im Parlament eine lange Zeit.

Ein Schatz in der Wüste

Große Worte bieten sich an: Die Propheten besangen den Sinai, durch den einmal das Volk der Juden gezogen war ("Kehrt zurück zu den Tagen der Wüste"); die Dichter feierten die Einsamkeit in dieser Einöde ("Hat der Himmel sich auf dich gesenkt, oder bist du zu ihm aufgestiegen?"); die Archäologen und die Armeegeneräle haben immer wieder mit ihm zu tun gehabt.

"...daß wir leben"

Die arabische Gesellschaft ist eine Männergesellschaft. Die Frau, die es wagt, sich gegen die traditionellen arabisch-islamischen Sitten und Beschränkungen aufzulehnen, entscheidet sich für die Außenseiterposition.

Professor gut, Studenten dumm

Sehr geehrter Herr Professor Glaser, als ich Ihren Artikel durchgelesen hatte, manche Sätze mußte ich irritiert ein zweites Mal lesen, so zum Beispiel "Wissen sie (s.

Der Zug zum Zug

Es ist, als dringe in düstere Kellergewölbe mit einem Male ein heller Lichtstrahl. Nach vielen Jahren ununterbrochener Mißerfolge können die Betreiber des öffentlichen Verkehrs plötzlich Angenehmes mitteilen: Der Verlust der Bundesbahn lag im gerade zu Ende gegangenen Jahr 1979 um rund ein Viertel unter dem Defizit von 1978 – 3,5 statt 4,6 Milliarden Mark; die öffentlichen Verkehrsbetriebe der Städte und Landkreise haben, anders als in vielen Jahren zuvor, auf einmal wieder mehr Personen befördert.

BONNER KULISSE

Der staatliche Dirigismus in der Bonner Forschungspolitik, die zunehmend sich verzettelnde Zuschußpolitik von Forschungsminister Volker Hauff, wird von der Bonner CDU/CSU immer massiver beklagt, und das zu Recht.

Warnstreiks: Gelassenheit

Die armen Richter. Nun müssen sie wieder ran und darüber urteilen, ob denn die "Warnstreiks", "spontanen Streiks", "wilden Streiks" – diese Vokabeln stehen zur Auswahl – in der baden-württembergischen Metallindustrie verboten werden müssen.

Länderrisiken: Ohne Aufsicht

Je höher die Ölpreise klettern, um so gefährdeter sind Kredite an ölimportierende Entwicklungsländer. Damit dieses Risiko begrenzt werde, möchten Bundesregierung und Bundesbank die – international tätigen Banken gern verpflichten, dem Berliner Aufsichtsamt die gesamten Risiken der Mütter und Töchter offenzulegen.

Zulieferer: Markentreue

Die Nachricht klingt kurios: Mitarbeiter, Besucher und Zulieferer des staatlichen britischen Autokonzerns British Leyland sollen an den Werkstoren abgewiesen werden, wenn sie mit einem Fahrzeug aus nicht-britischer Produktion Einlaß begehren.

Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schwächer geworden: Aber ist die herkömmliche Wachstumsrechnung heute noch sinnvoll?: Unerwünschtes Doping

Wieviel Wachstum wollen wir? Wieviel Wachstum können wir erreichen? Wieviel Wachstum haben wir in Wirklichkeit? Es gehört keine prophetische Gabe zu der Vorhersage, daß die Debatte darüber, ob die Marktwirtschaft überhaupt in der Lage ist, die als notwendig angesehenen Wachstumsraten zu garantieren, bald mit Vehemenz losgehen wird.

Frostschutz: Kampf um den Kühler

Horst Rommelmann, Geschäftsführer der Brenntag Mineralöl GmbH & Co in Mülheim an der Ruhr, staunte nicht schlecht: In einem Agros-Großmarkt fand er das von seiner Gesellschaft vertriebene Frostschutzmittel "Silver Star".

Protektionismus in der EG: Hase und Igel in Brüssel

Wie "Alice im Wunderland", die immer schneller lief und sich doch nur auf der gleichen Stelle bewegte, kommen sich de Brüsseler Eurokraten vor: Kaum ist es gelangen, in schwierigen und langwierigen Verhandlungen eine neue EG-Richtlinie zur Beseitigung von Handelsbarrieren im gemeinsamen Markt zu erlassen, haben Regierungen und Verwaltungen der Mitgliedstaaten sich schon wieder etwas Neues einfallen lassen, was den freien Warenverkehr erschwert.

Neuer Markt Umwelt: Leben von Luft, Lärm und Wasser

In der Öffentlichkeit sind sie kaum bekannt. In Fachkreisen freilich werden ihr Rat ebenso wie ihre Tat hoch geschätzt. Fast jede Firma, bei der es schmutzt, staubt, lärmt oder gar übel riecht, braucht sie – die Saubermänner der deutschen Industrie.

Österreich: Straßenbau mit fremdem Geld

Die Finanznöte im eigenen Land werden den erst seit wenigen Monaten amtierenden österreichischen Bautenminister Karl Sekanina demnächst nach Brüssel treiben.

IG Chemie: Das böse Wort vom Ausmauscheln

Die dunklen Wolken des letzten Unwetters sind noch nicht verschwunden, da ziehen neue herauf. Die IG Chemie, mit 658 000 Mitgliedern drittgrößte Organisation im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), hat wieder einmal interne Probleme.

Innocenti: Das Wunder von Mailand

Die italienische Leyland-Produktion wird liquidiert: Diesen Beschluß faßte der staatliche englische Autokonzern Leyland auf einer außerordentlichen Hauptversammlung seiner Tochtergesellschaft Leyland Innocenti SpA in Mailand.

Gespräche am Bankschalter: Siemens bleibt eine Zwangssparkasse

Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz vor Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes ließ Bernhard Plettner, noch bis zum 28. Januar 1981 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, keinen Zweifel daran, daß an der bisher betriebenen Gewinnthesaurierungspolitik festgehalten werden soll.

Börsen-Report: Vorreiter der Trendwende

Seit Jahresbeginn ist der Commerzbank-Index um knapp zwei Prozent gestiegen. Innerhalb weniger Börsentage sind die im Januar eingetretenen Kursverluste wieder ausgeglichen worden.

MANAGER UND MÄRKTE

Fusion MBB/VFW blockiert Muß Fichtel & Sachs-Chef gehen? Streit um Anzeigenblatt-Verleger

ZEITRAFFER

Von Konjunkturpessimismus keine Spur – zu diesem Ergebnis kam der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) nach einer Umfrage unter 14 000 deutschen Unternehmen.

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